Oder: Warum Kate Middleton nicht Lady Di und Lindsey Vonn nicht Sharon Stone ist.
Die politische Woche endet mit einem genialen Schachzug auf dem Küniglberg: Durch den sofortigen Abgang des ORF-Kommunikations-chefs konnte dauerhaft eine teure Stelle eingespart werden. Der Rundfunk-Pressesprecher war ohnehin schon länger ziemlich überflüssig, da die diversen Redakteurinnen und Redakteure sich ständig selbst in (mehr oder weniger) offenen Briefen an die Öffentlichkeit wenden.
Außerdem besteht die Chance, dass das Tohuwabohu (es gab da einmal eine Satiresendung gleichen Namens im ORF, in der alle möglichen ehemaligen Songcontest-Teilnehmer vorübergehend Beschäftigung fanden) in der Führungsetage mangels Kommunikation nicht mehr an die Öffentlichkeit dringt. Das wäre doch auch schon etwas.
Wirklich gefreut hat uns die Tatsache, dass in Großbritannien im kommenden Jahr geheiratet wird. Erstens ist Kate Middleton (klingt in kontinentaleuropäischen Ohren wie die englische weibliche Version von Max Mustermann) die Idealbesetzung für eine Prinzessin: ausreichend bieder, in Spurenelementen sexy, well educated und grell ausleuchtbar. Man kann bei Kate schauen, wohin man will, man wird nichts Garstiges finden. Außer vielleicht, dass sie sich ihren Prinzen nach einem Masterplan ihrer Eltern geangelt hat (Töchterchen auf die Elite-Uni schicken, um an die richtig guten Partien ranzukommen). Spricht aber andererseits definitiv für ihre Tauglichkeit zur Prinzgemahlin.
Ihr künftiger Mann, der wohl einmal König von England werden wird (ein Titel, der kaum zu toppen ist, da klingt selbst US-Präsident dagegen blass), ist vor allem in Hinblick auf seinen Bruder interessant. Während William seiner Mutter Lady Di (die jetzt wohl auch allmählich wie Camilla aussehen würde)wie aus dem Gesicht geschnitten ist und neben Thronfolger noch die Idealbesetzung für alles Seriöse wäre, ist sein jüngerer Bruder ein ganz anderer Typ. Der könnte in einer Britpop-Band den Bass spielen oder in einer Fußballmannschaft den Rechtsaußen.
Die amerikanische Skifahrerin Lindsey Vonn ließ sich indes leider nicht davon abhalten, sich in „Basic Instinct“-Manier (in weißem Kleid und – immerhin – mit übereinandergeschlagenen Beinen) wie einst Sharon Stone für ein Magazin fotografieren zu lassen. Es wird Zeit, dass der Weltcup wieder losgeht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2010)