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Interview

Rechtswissenschaftler: "Gewaltverzicht ist Islam und vielen Muslimen leider fremd"

Für Afghanen würden die „Grenzen zivilisierten Verhaltens“ vor allem „bei der Frauenfrage und in der Gewaltbereitschaft“ zum Problem, warnt Afsah.
Für Afghanen würden die „Grenzen zivilisierten Verhaltens“ vor allem „bei der Frauenfrage und in der Gewaltbereitschaft“ zum Problem, warnt Afsah.Los Angeles Times via Getty Imag
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Der deutsch-iranische Rechtswissenschaftler Ebrahim Afsah, noch bis Sommer an der Uni Wien, ruft zur Verteidigung des liberalen Verfassungsstaats auf und warnt vor „Scheindebatten“ um liberale Muslime. Afghanen in Österreich müssten sich anpassen.

Die „Presse am Sonntag“: Sehen Sie beim Zusammenleben von Islam und westlicher Gesellschaft Probleme?

Ebrahim Afsah: Man muss zwei Sachen unterscheiden: den Islam als dogmatisches Konzept und die Muslime als Menschen, die dieser Idee angehören. Das Konzept ist mit dem liberalen Verfassungsstaat nicht vereinbar. Er basiert auf einer Offenbarung, die sich als perfekt und unabänderlich ansieht. Damit ist er mit einem auf stetige Verbesserung im Diesseits angelegten Verfassungsstaat nicht kompatibel. Das trifft im Prinzip auf alle Religionen zu.

Was ist dann das Besondere am Islam?

Selbstbild und Realität stimmen nicht überein. Der Islam sieht sich als perfekt, siegreich und weltbeherrschend; seit der gescheiterten Wiener Belagerung 1683 und der französischen Besetzung Ägyptens 1798 geht es aber bergab. Diese kognitive Dissonanz erzeugt Spannungen und Schmerzen. Man hat zudem nicht den Kulturkampf mitgemacht, den wir in den letzten 200 Jahren speziell mit der katholischen Kirche und in Reaktion auf den Protestantismus geführt haben.