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Lohnungleichheit bei Mann und Frau

Petra Ziegler verglich die Geschichte der Gleichstellungsmaßnahmen zur gerechten Bezahlung von Männern und Frauen in der EU und den USA.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ wird schon seit Langem gefordert – und doch verdienen Frauen in Österreich noch 20 bis 25 Prozent weniger als Männer. Petra Ziegler hat in ihrer Dissertation (Uni Wien, Zeitgeschichte, Betreuerin Maria Mesner) untersucht, welche Auswirkungen gesetzliche Vorgaben zur Gleichstellung von Mann und Frau auf Lohnunterschiede haben: Sie verglich die Arbeits- und Verdienstsituationen von Frauen in der EU (Deutschland, Frankreich) und den USA von den 1950er bis Ende der 1990er-Jahre. „Interessant waren die unterschiedlichen Ausgangssituationen“, so Ziegler. Während sich in den USA Gesetze zur Gleichstellung aus dem Engagement von Frauen entwickelten, diente in Europa wirtschaftliches Wettbewerbsdenken als Ausgangspunkt: „1957 hatte Frankreich schon den Grundsatz ,gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ gesetzlich verankert. Bei der Gründung der EWG verlangten sie das auch von den anderen Ländern, damit Frankreich keinen Nachteil gegenüber Länder hatte, die den Frauen weniger bezahlen.“ In den USA hingegen ging 1963 der „Equal Pay Act“ durch, weil sich Frauen der Gewerkschaft und vom „Women's Bureau“ mit gesammelten Daten über die Lohnungerechtigkeiten bei Präsident Kennedy starkgemacht hatten. „Aber es dauerte bis zu den 1980ern, bis der Lohnunterschied in den USA tatsächlich verringert wurde. Gleichzeitig kam mit Ronald Reagan ein Präsident an die Macht, der dezidiert gegen Maßnahmen zur Gleichstellung war.“ Daraufhin setzten sich nur mehr die Demokraten für Gleichbehandlung (in Form von „Affirmative Action“) ein. Im europäischen Raum passierte nach 1957 lange gar nichts, wichtige Richtlinien folgten in den 1970ern. Die Regierungen der Mitgliedsländer implementierten die Gleichstellungsrichtlinien nach eigenem Ermessen. Trotzdem verringerte sich ab den 1980ern die Lohnungerechtigkeit, da inzwischen Frauen verbesserte Ausbildungen und Berufserfahrung hatten – und Männer wegen der Auslagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer Lohneinbußen hinnehmen mussten. „Die Analyse wurde aber erschwert, da in der EU die Berechnungsgrundlagen immer wieder verändert wurden und die Daten Schwankungen unterliegen“, erzählt Ziegler, die sich nun als Projektleiterin in der Arbeitsmarkt- und Qualifikationsforschung für die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2010)