Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Interview

Michael Ignatieff: "Putins Kontrolle kommt Stalin gleich"

Michael Ignatieff: „Die russische Bevölkerung wird systematisch belogen. Doch das funktioniert nur, bis die Särge der Soldaten zurückkehren.“
Michael Ignatieff: „Die russische Bevölkerung wird systematisch belogen. Doch das funktioniert nur, bis die Särge der Soldaten zurückkehren.“(c) Lam Duc Hien / Agence Vu / picturedesk
  • Drucken
  • Kommentieren

Historiker Michael Ignatieff rechnet wegen des Ukraine-Kriegs mit einer Dekade globaler Instabilität und einer Umwälzung des Finanzsystems.

Lassen Sie uns zuerst zurück an den Beginn gehen: Warum hat Russlands Präsident Putin den Überfall auf die Ukraine gewagt?

Michael Ignatieff: Putin dachte, er könne damit davonkommen. Er schätzte die Reaktion der ukrainischen Armee und des Westens falsch ein. Er war falsch informiert und glaubte seiner eigenen Propaganda, wonach die Ukraine nur darauf warte, befreit zu werden. Zudem hängt Putin schon lang dem Gedanken nach, Russland sei am Ende des Kalten Kriegs gedemütigt worden und müsse seinen Rang zurückerlangen. Putin will nicht die Sowjetunion, aber das russische Imperium wiederherstellen.

Hat der Westen Putin falsch gelesen?

Der Westen hat Putins Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 und auch die Annexion der Krim 2014 nicht in ihrer Tragweite erkannt. Der Westen war herablassend, fokussierte sich auf China und verstand nicht, dass Russland noch immer eine militärische Großmacht ist.

Was halten Sie von dem kursierenden Narrativ, dass die Nato Putin mit der Osterweiterung provoziert habe?