In „Reich des Todes“ vergleicht Rainald Goetz obsessiv die USA nach 9/11 mit NS-Deutschland. Robert Borgmann inszeniert das politisch arg bedenkliche, in überlangen Folterszenen schwelgende Stück in starken Bildern.
„Heil Hitler, ihr Ärsche!“, ruft Marcel, die üppige, offensichtlich von Donald Trump inspirierte Karikatur eines US-Präsidenten, am Ende einer Ansprache über die Verfolgung der Feinde Amerikas. Man könnte eine Besprechung der Aufführung von „Reich des Bösen“ mit dieser plakativen Szene – einer von vielen – beginnen. Oder mit Zitaten aus der ebenfalls überlangen Rede eines Alten (Martin Schwab), der in diesem wirren Theater am ehesten als Erzähler, als Deuter fungiert: „Was ist verrückt an der Seele der Deutschen?“, fragt er – und bald danach: „Und was ist kaputt am Volk dieser Amerikaner?“ Der Vergleich wird klar ausgeführt: Die Deutschen haben sich am Holocaust beteiligt oder sich ihm zumindest nicht widersetzt; die Amerikaner „lieben die Gewalt so sehr, dass sie jede sichtbare Aufführung von Gewalt gegen den Körper eines anderen Menschen ( . . . ) als Bestätigung ihrer Freiheit erfahren“.
Es hilft kein Herumreden, es hilft keine Theatertheorie: Zentral in diesem Stück ist eine fixe Idee. Nämlich der Vergleich – der an etlichen Stellen einer Gleichsetzung nicht nur nahekommt – des NS-Regimes mit der US-Politik nach dem 11. September 2001, den das Wiener Programmheft als „Initialzündung der gesellschaftlichen globalen Katastrophe“ beschreibt. Symbolträchtig uraufgeführt wurde „Reich des Todes“ am 11. 9. 2020 im Hamburger Schauspielhaus.