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Rohstoffe

Abhängigkeit von Russland ist hoch, nicht nur bei Erdgas

Das in der deutschen Industrie verbrauchte Nickel kommt zu 40 Prozent aus Russland, etwa aus dieser Fabrik von Nornickel in Murmansk.
Das in der deutschen Industrie verbrauchte Nickel kommt zu 40 Prozent aus Russland, etwa aus dieser Fabrik von Nornickel in Murmansk.AFP via Getty Images
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Nicht nur bei Erdgas ist Russland der mit Abstand wichtigste Lieferant, sondern auch bei anderen Rohstoffen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt.

Wien. Mehr Unabhängigkeit von Russland. So lautet seit dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine der Plan vieler Staaten in Europa. Vor allem die große Abhängigkeit von den russischen Erdgaslieferungen wurde vielen erst in den vergangenen sechs Wochen bewusst, als klar wurde, dass Europa trotz des Krieges täglich bis zu einer Milliarde Euro nach Moskau überweist.

Die baltischen Staaten haben daher nun den Import von Erdgas aus Russland eingestellt. „Seit 1. April fließt kein russisches Erdgas mehr nach Lettland, Estland und Litauen“, sagte Uldis Bariss, Chef des lettischen Erdgasspeicherbetreibers Conexus Baltic Grid. Der litauische Präsident Gitanas Nausėda rief die restlichen EU-Staaten auf Twitter auf, dem Beispiel zu folgen. Sein Land habe vor Jahren Entscheidungen getroffen, „die es uns ermöglichen, ohne Schmerzen die Energiebeziehungen mit dem Aggressor zu beenden“, so Nausėda. Bariss zufolge wird der baltische Markt derzeit durch Gasreserven versorgt, die unterirdisch in Lettland gelagert werden.

Allerdings ist Russland nicht nur bei Gas ein schwer ersetzbarer Lieferant, sondern auch bei vielen anderen Rohstoffen, die in der Industrie benötigt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des deutschen Instituts für Wirtschaft. Vor allem bei Nickel, Palladium oder Chrom seien sowohl der Weltmarkt als auch die deutsche Industrie – und damit auch die österreichische – derzeit an Lieferungen aus Russland gebunden.

Neue Handelsabkommen

„Daher sind neue Handelsbeziehungen zu alternativen Exportnationen für diese Rohstoffe essenziell“, heißt es in der Studie. Es sei nun wichtig, Freihandelsabkommen mit anderen rohstoffreichen und möglichst stabilen Demokratien wie den USA, Kanada und Südafrika weiter voranzutreiben. Für eine stabile Versorgungssicherheit sei es wichtig, sich bei Rohstoffen breiter aufzustellen. Zu prüfen ist laut IW auch, „welche nationalen und europaweiten Kapazitäten für einen Abbau und die Weiterverarbeitung essenzieller Rohstoffe möglich sind“. Eine dritte Option umfasse das Recycling als Quelle von Sekundärrohstoffen und unterstreiche die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft.

Zwar bezog Deutschland im Vor-Corona-Jahr 2019 nur zwei Prozent seiner Importe aus Russland, wovon sieben Prozent auf Rohstoffe entfielen. Allerdings stammten 40 Prozent aller Nickelimporte aus Russland. Von dort kommen auch über zehn Prozent aller weltweiten Nickelexporte. Deutschland bezieht zudem gut 25 Prozent seiner Palladiumimporte aus Russland.

„Palladium wird vor allem beim Bau von Autokatalysatoren, in der chemischen Industrie und in der Elektrotechnik verwendet“. Der Rohstoff sei ein wichtiges Vorprodukt bei führenden deutschen Industrien, heißt es in der Studie. Bei Chrom kommen die russischen Importe auf über zwanzig Prozent aller deutschen Einfuhren, bei Kadmium auf fast 14 Prozent.

Aber selbst wenn es gelingt, die direkte Abhängigkeit von den Lieferungen aus Russland zu verringern, werden die aktuellen Veränderungen nachhaltige Folgen für die europäische Wirtschaft haben. So wird sich der Preis der Rohstoffe nach Ansicht von Branchenexperten dauerhaft verteuern. „Angesichts aller Unsicherheiten, die der Beginn des laufenden Jahrzehnts mit sich bringt, ist eines klar: Wir erleben das Ende einer Ära billiger Rohstoffe“, sagte am Wochenende etwa der Chef des luxemburgischen Rohstoffkonzerns Eurasian Resources Group (ERG), Benedikt Sobotka.

Viele Produkte werden teurer

Die Kosten für Weizen, Düngemittel, Rohöl, Erdgas, Aluminium und Kupfer seien seit Jahresbeginn auf Höchststände geklettert, und weitere Preisschwankungen seien unvermeidlich. „In den kommenden Monaten werden viele wichtige Elemente unseres täglichen Lebens tendenziell teurer – von Brot und Kaffee über Computer und Autos bis hin zu Baumaterialien, Häusern und der Art und Weise, wie wir unsere Haushalte mit Strom versorgen“, so Sobotka.

Bei Kupfer und Kobalt sei der bereits bestehende Angebotsdruck noch verschärft worden, zumal die globalen Lagerbestände gering seien. Bereits vor Kriegsbeginn hätten Experten bei Kupfer ein Defizit prognostiziert. Die höhere Nachfrage durch die Umstellung auf erneuerbare Energien und E-Mobilität werde die Preise hierbei weiter antreiben.

(APA/jaz)