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Die Ich-Pleite

Die Treue der ehemaligen Außenministerin

Carolina Frank
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Jetzt, wo der Freund ins Nachbarland eingefallen ist, hält unsere ehemalige Außenministerin weiterhin zu ihm. Aber anstatt für so viel Treue gelobt zu werden, werde sie bedroht, sagte die sie dem Sender.

Vor ein paar Tagen hat mir eine freiwillige Helferin ein Foto gezeigt, damit ich sehe, was sie mit meiner Geldspende für ukrainische Flüchtende gekauft hat. Es ist ein ganzer Kofferraum voller Babynahrung und Hygieneartikel. Wenn Frauen flüchten, sagt sie in vollem Ernst, brauchen sie Kindersachen und ­Binden. Ich überlege, was ich als junge Feministin zu diesem Satz gesagt hätte. Das mit den Binden hätte mir vermutlich gefallen. Aber ich hätte es natürlich abgelehnt, dass Frauen immer in einem Atemzug mit Kindern genannt werden.

Aber damals hätte ich mir auch nicht vorstellen können, dass Millionen Menschen in Europa vor einem Krieg flüchten müssen. Manche Menschen fühlen sich nicht einmal mehr in Österreich sicher. Sogar eine ehemalige österreichische Außenministerin musste ins Ausland fliehen, berichtete sie einem deutschen Privatsender. Sie werde verfolgt, nur weil sie zu ihrer Hochzeit einen guten Freund aus Russland eingeladen und ein Paar wertvolle Ohrringe von ihm angenommen hat. Okay, und vor ihm in die Knie gegangen ist. Die ­ehemalige Außenministerin sagt „Hofknicks“ dazu und findet, damit sei die Sache erklärt.

Und jetzt, wo der Freund ins Nachbarland eingefallen ist und vor aller Welt als brutaler Diktator dasteht, hält sie weiterhin zu ihm. Aber anstatt für so viel Treue gelobt zu werden, werde sie bedroht, sagte sie dem Sender. So viel man weiß, ist der ehemaligen Außenministerin die Flucht nach Südfrankreich gelungen. Ich weiß nicht, was sie in ihrem ­Kofferraum alles mitnehmen konnte. Aber die Saphirohrringe von ihrem russischen Freund waren jedenfalls nicht dabei. Die hat der österreichische Staat einfach einbehalten. ­Hoffentlich kümmert sich dort auch jemand und sie.

("Die Presse Schaufenster" vom 1.4.2022)