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Quergeschrieben

Afghanistan, Brutstätte für Gewalt und Terrorismus

Beteuerungen, Mädchen und Frauen Zugang zu Bildung zu gewähren, entpuppen sich als blanke Lügen der radikal-islamistischen Taliban.

Drei minderjährige Afghanen und ein ebenfalls minderjähriger Iraner sind in U-Haft, nachdem sie in Linz über ein 16-jähriges Mädchen hergefallen sind. In der „Presse am Sonntag“ sagte der deutsch-iranische Rechtswissenschaftler Ebrahim Afsah, dass Gewaltverzicht dem Islam und vielen Muslimen fremd sei. Afghanistan sei eine vormoderne Gesellschaft mit starken Spannungen: „Diese Spannungen bringen die Leute mit, wenn sie in die Diaspora kommen. Dazu kommt, dass die afghanische Gesellschaft, um es höflich auszudrücken, sehr bildungsfern ist.“ Und bitterarm. Drei Viertel der Afghanen, darunter 13 Millionen Kinder, leiden unter akutem Hunger.

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Auf der kürzlich von der UNO gemeinsam mit Großbritannien, Deutschland und Katar organisierten Geberkonferenz hat sich UN-Generalsekretär António Guterres von den 41 Teilnehmerstaaten 4,4 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe erhofft – der höchste Betrag, der je für ein einzelnes Land gefordert wurde. Geworden sind es letztlich 2,44 Milliarden.

Es ist tatsächlich, wie die deutsche Bundesentwicklungsministerin, Svenja Schulze, in der „Zeit“ schreibt, ein Balanceakt: Die Menschen in Afghanistan zu unterstützen, ohne das Taliban-Regime zu legitimieren, das seit dem bedingungslosen Abzug der US-Truppen im August 2021 das Land in die Steinzeit zurückkatapultiert. Beteuerungen wie jene, dass Mädchen und Frauen weiterhin Zugang zu Bildung haben würden, entpuppen sich als blanke Lügen. Am 23. März hätten die weiterführenden Schulen für Mädchen wieder geöffnet werden sollen, doch sie blieben auch nach 187 Tagen des Wartens weiterhin zu. Es waren zu Herzen gehende Fernsehbilder, als die Schülerinnen für ihr Recht auf Bildung auf die Straße gingen. Protest erfordert viel Wagemut, zumal von Mädchen und Frauen. Bekanntlich gehen die Taliban mit Demonstrantinnen nicht zimperlich um. Die Universitäten öffneten im Februar auch für Frauen, allerdings mit eingeschränktem Fächerangebot. Campus-Außenbereiche bleiben für Studentinnen tabu, Taliban-Wachleute achten auf die Einhaltung der Kleiderordnung und Geschlechtertrennung. „Sie haben sich uns gegenüber nicht gut verhalten“, beschrieb eine Studentin im ZDF ihren ersten Uni-Tag.

Häusliche Gewalt ist afghanischer Alltag. Frauenhäuser und Einrichtungen zur Gewaltprävention wurden geschlossen, Frauen aus politischen Entscheidungsprozessen eliminiert und von ihren Arbeitsplätzen verbannt. Statt des Frauenministeriums wurde das „Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhütung des Lasters“ reinstalliert. Afghaninnen müssen in der Öffentlichkeit vollverschleiert sein, das Benützen öffentlicher Verkehrsmittel, Taxi- oder Autofahren ist ihnen nur in Begleitung eines männlichen Verwandten erlaubt. „Wenn die Welt mich hört, helfen Sie uns. Unser Leben ist in Gefahr“, postete Shabnam Dawran, bis August 2021 eine der prominenten TV-Moderatorinnen. Doch ihr verzweifelter Hilferuf verhallte so ungehört wie jener von Sara Bahai, Afghanistans erster Taxifahrerin, die nach ihrer Flucht nach Portugal flehte, Europa möge Frauen und Mädchen aus den Fängen der Taliban retten. Denn auch in Nachbarländern wie Pakistan oder dem Iran ist ein Frauenleben nicht viel mehr wert als in der afghanischen Heimat.