Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Medienethik

Wie zeigt man die Toten des Krieges?

Im Gegensatz zu sozialen zeigen viele klassische Medien die Toten in der Ukraine verhüllt oder unkenntlich gemacht – das entspricht auch der Linie der Presse und von diepresse.com.
Im Gegensatz zu sozialen zeigen viele klassische Medien die Toten in der Ukraine verhüllt oder unkenntlich gemacht – das entspricht auch der Linie der Presse und von diepresse.com.(c) APA/AFP (SERGEI SUPINSKY)
  • Drucken

Kriegsverbrechen wie im ukrainischen Butscha stellen Medien vor die Frage, wie viel Gräuel man abbilden darf. Denn der Ukraine-Krieg ist auch ein „Krieg der Bilder“ – ausgefochten im Internet.

Die Toten von Butscha, sie sind sogar aus dem All sichtbar. Die US-Satellitenbildfirma Maxar Technologies veröffentlichte am Montag Aufnahmen, die belegen, dass die Leichen in dem Kiewer Vorort schon vor dem Abzug der Russen in den Straßen lagen – und nicht, wie von russischer Seite behauptet, von Ukrainern dort deponiert wurden. Seit dem Rückzug der Russen waren auch Fotografen am Ort des Massakers, und sie machten Bilder von den Toten. Wie gehen Medien mit solchen Fotos um, wie sollten sie damit umgehen? Die „New York Times“ zeigte auf dem Titelblatt am Dienstag drei Leichen, nicht aber ihre Gesichter. Sie hat auch schon anders entschieden: Am 7. März brachte sie das Foto einer auf der Flucht erschossenen Familie aus Irpin aufs Cover, ohne die Gesichter unkenntlich zu machen – und löste damit eine Debatte aus. Der Familienvater erfuhr erst durch das in sozialen Medien verbreitete Bild vom Tod seiner Frau und der beiden Kinder. Er gab der „New York Times“ aber seinen Segen: Das Foto zeige ein Kriegsverbrechen, die Welt müsse es sehen.

In Deutschland und Österreich war man vorsichtiger, auch bei Butscha. „Die Presse“ zeigt keine Toten, das ist Blattlinie, begründet mit der Schutzwürdigkeit und der Würde der Getöteten. Es ist schwierig, das abzugrenzen, zuletzt etwa beim Angriff auf eine Entbindungsklinik in Mariupol: Zeigt man das Foto jener hochschwangeren Frau, die auf einer Trage aus dem zerstörten Gebäude gebracht wird und die später ebenso wie ihr ungeborenes Kind starb? Wann fängt die Würde der Toten an?