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PHANTASTISCHE TIERWESEN: DUMBLEDORES GEHEIMNISSE
„Phantastische Tierwesen“

Die deutschen Zauberer sind sehr österreichisch

Das dritte Kapitel der „Harry Potter“-Vorgeschichte führt Dumbledore und seine Bande nach Berlin. Mit dabei sind einige österreichische Schauspieler. Ab Freitag im Kino.

In einem dreckigen Untergrundgemäuer irgendwo in Berlin liegt das Zauberergefängnis Erkstag, und an dessen Pforte sitzt an einem schäbigen Pult Peter Simonischek. Also der Wächter, gespielt von Peter Simonischek. Er sieht aus, als hätte er schon lang kein Tageslicht mehr gesehen und schon lang nicht mehr mit Lebenden zu tun gehabt, beziehungsweise mit Menschen, die ernsthaft glauben, diesen Keller wieder lebend zu verlassen. Als Newt Scamander (Eddie Redmayne) für einen Besuch hier eincheckt, nimmt der Kerkermeister ihm Zauberstab und Habseligkeiten ab, sperrt alles in einen Käfig, sinkt wieder in seinen Stuhl. „I'll be back“, sagt Newt, und der verschrobene Alte grinst, lässt einen silbernen Zahn blitzen und sagt mit breitem deutschen Akzent: „And I'll be the minister of magic!“

Es ist nicht der einzige prominente Auftritt eines österreichischen Schauspielers im neuen Film „Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse“, dem mittlerweile dritten Teil einer Kinoreihe, die quasi die Vorgeschichte zu „Harry Potter“ erzählt – nach einem Drehbuch von der auch als Produzentin verantwortlichen J. K. Rowling. Neben Simonischek, der sich ideal in das eigentümliche magische Personal einfügt, ist hier auch Valerie Pachner zu sehen: Die Oberösterreicherin spielt die strenge Attachée und somit rechte Hand des amtierenden Weltpräsidenten der Zauberergemeinschaft (den Oliver Masucci, einst Burgtheater-Ensemblemitglied, als elitären Bürokraten gibt). Für eine Mini-Rolle stand zudem der Wiener Lucas Englander vor der Kamera. Die österreichische Beteiligung ist also groß, während im ständig wachsenden „Harry Potter“-Kosmos nun das Türchen zum deutschen Teil der Zauberergemeinschaft aufgemacht wird.

Wahlkampf in der magischen Welt

Dort herrschen nicht gerade Sanftmut und Rechtschaffenheit. Es dürfte Anfang der 1930er-Jahre sein, und analog zur „gewöhnlichen“ Welt nehmen auch in der magischen Parallelgesellschaft die faschistischen Tendenzen zu. Nach New York und Paris führt die Filmreihe diesmal nach Berlin. In den hohen expressionistischen Marmorhallen des dortigen Zaubereiministeriums wird Hummer serviert, während ein erbitterter Wahlkampf tobt, der auf der Straße mit Bannern, Kampfgeschrei und Funken aus den Zauberstäben ausgetragen wird. Das Volk feiert Gellert Grindelwald (den Mads Mikkelsen deutlich dunkler gibt als der rausgeworfene Johnny Depp) wie einen Erlöser. Er propagiert Rassentrennung und will der nicht-magischen Bevölkerung den Krieg erklären.

PHANTASTISCHE TIERWESEN: DUMBLEDORES GEHEIMNISSE
Peter Simonischek als Kerkermeister, der es mit einem Niffler (einem schnabeltierähnlichen Geschöpf, das narrisch nach Gold und Edelsteinen ist), zu tun bekommt.Warner Bros.

Die zentrale Figur des Films ist aber Albus Dumbledore (Jude Law), der damit klarkommen muss, Fehler begangen zu haben, die nicht wieder gutzumachen sind: Er, der als greiser Schulleiter von Harry Potter so oft auf die schützende Kraft der Liebe hinweisen wird, leidet hier, als deutlich jüngerer, leidenschaftlicherer Zauberer, unter den Konsequenzen einer verfänglichen Romanze. In seiner Jugend hat er gemeinsam mit Grindelwald an der Basis für dessen faschistoide Ideologie gebastelt. „Ich habe mitgemacht, weil ich verliebt in dich war“, sagt er jetzt zu ihm. Immer noch verbindet die beiden ein magischer Blutschwur, der es ihnen unmöglich macht, direkt gegeneinander anzukämpfen.

Die Handlung mäandert ziellos dahin

Also verpflichten sie jeweils eine Stellvertretertruppe. Dumbledores kleine Armee besteht, wie üblich in diesem Franchise, aus loyalen Außenseiterfiguren, die er, wie ebenfalls üblich, im Versprechen bedingungslosen Vertrauens auf undurchschaubare Missionen schickt, die sich dann am Ende doch irgendwie als weiser Masterplan entpuppen.
Bis dahin wirkt alles aber recht ziellos, die Handlung mäandert dahin. Als eigenständig funktionierender Film ist dieses dritte Kapitel des geplanten Fünfteilers (der mit dem Sieg Dumbledores über Grindelwald im vielsagenden Jahr 1945 enden soll) nicht angelegt. Vieles wirkt hier aufgeblasen: Die „Geheimnisse“, die im Titel angekündigt werden, sind zu guten Teilen aus den Büchern bekannt. Die politische Entwicklung, die schon im letzten Film behandelt wurde, wird nicht weiter vertieft.

Die Schauplätze – neben Berlin etwa das Hochgebirge von Bhutan – geben Anlass für Zauberszenen in wechselndem Kolorit, konkretere Einblicke in Ort und Zeit des Geschehens bleiben aber aus. Ein bisschen erinnert das daran, wie in James-Bond-Filmen für jede neue Actionjagd um die Welt gejettet wird. Hier geht es eben via Portschlüssel, fliegende Geschöpfe und andere magische Transportmittel zu den unterschiedlichsten Plätzen, wo dann Zauberstab-Schlachten und Monstergefechte stattfinden.

Das ist alles durchaus zauberhaft – und doch erstaunt, wie wenig der Film in 143 Minuten aus seinen Charakteren und diesem neuen Teil der Zaubererwelt herausholt. Er leistet wieder einmal Aufbauarbeit für ein weit entferntes Finale. Und baut auf den Nostalgiefaktor. Da eine Begegnung mit einer alten Bekannten, dort ein Zaubertrick aus der „Harry Potter"-Kiste, zwischendurch die charakteristische Titelmelodie, während zwischen Gut und Böse die Fetzen fliegen: Das ist nicht viel, aber es reicht offenbar, um die Harry-Potter-Fanmaschinerie am Laufen zu halten.