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Geldpolitik

Immer mehr Notenbankchefs plädieren für Zinserhöhung

Steigende Inflation bringt EZB-Chefin Christine Lagarde unter Zugzwang
Steigende Inflation bringt EZB-Chefin Christine Lagarde unter ZugzwangREUTERS
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Der Belgier Pierre Wunsch ist wie die Notenbankchefs Österreich, Deutschland und den Niederlanden der Ansicht, dass eine Zinserhöhung bald auf der Agenda stehen könnte.

Der Chef der belgischen Notenbank, Pierre Wunsch, spricht sich angesichts der hohen Inflation noch heuer für eine Zinserhöhung aus. Der Einlagensatz, der bereits seit 2014 bei minus 0,5 Prozent liegt, könne Ende 2022 auf null angehoben werden, sagte Wunsch dem belgischen Magazin "Knack". Das sei für ihn eigentlich ein Selbstläufer. Er müsse aber einräumen, dass es innerhalb der EZB keine Diskussion über eine Erhöhung der Zinsen gegeben habe.

Wunsch schließt sich damit einer Reihe von EZB-Notenbankern an, die angedeutet haben, dass eine Zinserhöhung bald auf der Agenda stehen könnte. Dazu gehören die Notenbankchefs Österreich, Deutschland und den Niederlanden.

Die momentan stetig steigende Inflation im Euroraum bringt die Europäische Zentralbank unter Zugzwang. Im März waren die Verbraucherpreise um 7,5 Prozent zum Vorjahr gestiegen und sind damit meilenweit weg von dem Ziel der EZB von zwei Prozent. Die Notenbank stellt sich auf kurze Sicht auf noch weiter steigende Preise ein.

Die US-Notenbank Fed hat jüngst die Zinswende vollzogen und dürfte dieses Jahr noch mehrfach nachlegen. Zuvor hatte bereits die Bank of England als erste der führenden Zentralbanken eine Serie von Erhöhungen eingeleitet. Die EZB, die kommende Woche wieder über den Zins entscheidet, will ihre milliardenschweren Anleihenkäufe im Sommer auslaufen lassen, wenn es der Inflationsausblick erlaubt. Mehrere Währungshüter dringen auf eine Zinswende bereits ab September.

Auch BIZ mahnt Währungshüter

Auch die als Denkschmiede der Geldpolitik bekannte Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel mahnt Währungshüter wegen Inflationsgefahren zu einer Ausrichtung auf höhere Zinsen. BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens sieht die Welt an der Schwelle einer neuen Inflations-Ära: "Wenn meine These stimmt, werden sich Zentralbanken neu ausrichten müssen, so wie es einige bereits tun", erklärte er am Dienstagabend.

Die Währungshüter seien sich der Risiken bewusst, da sie nicht wollten, dass sich Inflationszeiten wie in den 1970er Jahren wiederholten. "Doch die Ausrichtung auf höhere Zinsen wird nicht leicht", warnte Carstens.

Das Wort des mexikanischen Ökonomen hat Gewicht, schließlich gilt die in Basel ansässige BIZ als Zentralbank der Zentralbanken. Sie fördert deren Zusammenarbeit im Währungs- und Finanzfragen und dient ihnen überdies als Forum. Carstens betonte, die Änderung des geldpolitischen Kurses werde "nicht populär" sein. Zu sehr hätten sich Verbraucher Firmen, Finanzmärkte und auch Staaten an das Niedrigzinsumfeld sowie günstige Finanzierungsbedingungen gewöhnt.

Es könne aber nicht die alleinige Aufgabe der Notenbanken sein, unter allen Umständen mit konjunkturfördernder Geldpolitik das Wirtschaftswachstum zu stützen: "Der Schlüssel für ein nachhaltig höheres Wachstum kann nicht expansive Geld- oder Fiskalpolitik sein." Es müsse vielmehr darum gehen, die Produktionskapazität der Wirtschaft zu stärken. Mittelfristig werde es eine Steigerung der Wachstumsmöglichkeiten insbesondere verschuldeten Staaten erleichtern, in dem in den kommenden Jahren wohl vorherrschenden Umfeld höherer Zinsen zu bestehen. Zentralbanken hätten "mehr als ihren Part" im vergangenen Jahrzehnt übernommen. Nun sei es an der Zeit, dass andere "den Staffelstab" übernähmen.

 

 

(APA/Reuters/dpa)