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Diagonale startet mit "Preisträger"-Maske für Branko Samarovski

DIAGONALE FILMFESTIVAL: ER�FFNUNG MIT FILM-PREMIERE ´SONNE´ VON KURDWIN AYUB UND VERLEIHUNG ´GROSSER DIAGONALE-SCHAUSPIELPREIS 22´ AN BRANKO SAMAROVSKI: SAMAROWSKI
Branko Samarovski mit seinem tragbaren Preis(c) APA (ERWIN SCHERIAU)
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113 Filme stehen bei dem Filmfestival in Graz auf dem Programm – darunter Ulrich Seidls neues Werk "Rimini". Der Große Schauspielpreis ging an "Rampensau“ Branko Samarovski.

Mit einem Preis und dem Film "Sonne" von Regisseurin Kurdwin Ayub, der bei der vergangenen Berlinale als bestes Debütwerk ausgezeichnet wurde, ist am Dienstagabend die Diagonale in Graz  eröffnet worden. Branko Samarovski erhielt den Großen Diagonale-Schauspielpreis. Beim Preis handelt es sich um das Kunstwerk "Preisträger" - gestaltet und gestiftet von Constantin Luser. Das Objekt ist auf dem Kopf zu tragen. Eine Art Maske kann dabei wie ein Visier heruntergeklappt werden, was Samarovski dem Publikum demonstrierte.

Die Laudatio für Samarovski hielt Schauspieler und Schriftsteller August Schmölzer, der auch Teil der Jury war. Seit Jahrzehnten Samarovski am Theater und im Film und arbeite stets unaufdringlich an seinen Rollen. Er lege dabei große "Lust am Probieren" an den Tag, stehle gerne einmal den anderen eine Pointe, nehme sich dann aber auch wieder zurück. "Er ist eine furchtbare Rampensau", so Schmölzer. Jemand habe über Samarovski einmal geschrieben, er sei ein "Meister der kleinen Rollen". Das sieht Schmölzer nicht so: "Es gibt keine kleinen Rollen, nur schlechte, gute und sehr gute Schauspieler. Samarovski ist einer der sehr guten."

Erinnerungen an die Flucht

Der Geehrte sprach eingangs in seiner Dankesrede den Krieg in der Ukraine an. Dieser erinnere ihn selbst an seine Flucht als Kind aus Jugoslawien. Er sei in einem Keller aufgewachsen und war dann plötzlich Kammerschauspieler. Er beschrieb, dass er sich bis heute schwer damit tue, das anzunehmen, was er als Flüchtlingskind geschafft habe. Dieses Vakuum zwischen dem, was er spielt und wie ihn das Publikum dafür lobt, sei groß und er denke sich oft, es könne nicht sein. Er habe sich eigentlich lange als Schauspieler aus der dritten Reihe gefühlt, der aufzeigt und schreit: "Ich bin auch noch da."

Umso mehr freue ihn die Auszeichnung, auf die ihn bereits viele angesprochen hätten. Sie verkleinere das Vakuum wieder um ein Stück. Als ihn das Publikum mit viel Applaus von der Bühne verabschiedete, hielt sich Samarovski gerührt, beinahe verschämt die Hand vor Augen und Gesicht.

Premiere für Seidl und Doku über Arbeiterkammer

Insgesamt stehen bei der Diagonale 113 Filme im Wettbewerb auf dem Programm, die allgemeine Preisverleihung findet am Sonntag statt. Am Mittwoch feiert "Rimini" von Ulrich Seidl seine Premiere. Weitere Filmhighlights dürften "Märzengrund" von Adrian Goiginger, Peter Brunners hochalpines Kammerspiel "Luzifer" sowie der Dokumentarfilm "Für die Vielen - Die Arbeiterkammer" von Constantin Wulff sein.

Das Special "Rausch" beleuchtet, wie das Kino den Rausch inszeniert, verhandelt und thematisiert. Ein weiteres Spezialprogramm widmet sich den Filmen, die in "Thaliwood", also dem Filmgelände am Grazer Flughafen Thalerhof, von 1947 bis 1953 gedreht wurden. Die Reihe "Zur Person" zeigt Arbeiten von Tizza Covi und Rainer Frimmel, und die Programmreihe "In Reverenz" bringt drei Filme von Friederike Petzold. Außerdem wird Michael Haneke zu seinem 80. Geburtstag mit einer Doppelvorstellung der deutschen und amerikanischen Fassung von "Funny Games" bzw. "Funny Games U.S." geehrt.

Der Preisträger

Geboren 1939 im damaligen Königreich Jugoslawien in Zemun, wuchs Branko Samarovski bis zu seinem fünften Lebensjahr im heutigen Serbien auf, bevor er im Zweiten Weltkrieg nach Österreich flüchtete.

In Salzburg begann er eine Schlosserlehre, spielte zu dieser Zeit aber bereits auch Theater. Nach privatem Schauspielunterricht wechselte er schließlich ans Mozarteum. Samarovskis Engagements führten ihn über Graz und Darmstadt nach Bochum, wo er 1979 ins Ensemble von Claus Peymann eintrat. Nach einem Ausflug an die Schaubühne Berlin kam er schließlich Anfang der 1990er-Jahre ans Burgtheater.

Zu seinen Bühnenrollen gehört unter anderem Torquato Tasso in der Regie Peymanns, Enobarbus in "Antonius und Cleopatra" (Regie Peter Stein) oder in den vergangenen Jahren Ulpian in Christian Stückls Uraufführungsinszenierung von Wolfgang Bauers "Der Rüssel" (2018) sowie Rollen in Aischylos' "Die Perser" oder Miroslava Svolikovas "die hockenden". Insgesamt war er am Burgtheater in über 50 Rollen zu erleben.

Nebenbei war Samarovski auch immer wieder in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, darunter in mehreren Ausgaben des "Tatort", Philipp Stölzls "Nordwand" oder Michael Hanekes "Das weiße Band". Beim Österreichischen Filmpreis wurde er 2017 für seine Rolle in "Nebel im August" als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

(APA)