Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Mobilfunk

HoT-Chef Krammer: Trotz Inflation, Tarife werden nicht teurer

Michael Krammer, Chef der Ventocom über den anhaltenden Streit über Zugang zum 5G-Netz der großen Betreiber: "Wir tragen indirekt sehr wohl zum Netzausbau bei."Die Presse/Clemens Fabry
  • Drucken

Die Wechselfreudigkeit der Österreicherinnen und Österreicher sowie die bevorstehenden Preissteigerungen bei Mobilfunkverträgen, lässt HoT auf neue Kunden hoffen. Denn der Günstig-Anbieter bleibt trotz Inflation bei seinem Versprechen.

Nicht nur die hohen Preise für Lebensmittel, Energie und Rohstoffe heizen die Inflation an. Im März lag sie bei 6,8 Prozent. Das hat auch Auswirkungen auf weitere Bereiche des täglichen Lebens: den Handytarif. Bei Rund der Hälfte aller 10,8 Millionen aktiven Mobilfunkverträge in Österreich steht eine sogenannte Indexanpassung vor, die eine Teuerung von einem bis fünf Prozent zur Folge hat. Die Ventocom, die Mobilfunkmarken HoT (Hofer), Liwest Mobil, Rapid Mobil und seit kurzem auch Raiffeisen Mobil betreibt, wird die Tarife nicht anpassen, wie Michael Krammer am Mittwoch sagte. 

Beim Start 2015 versprach Krammer, dass das Mobilfunkangebot des Lebensmitteldiskonters HoT niemals teurer, sondern nur günstiger oder besser werde und daran halte man fest. Zudem erwartet er sich durch die Teuerungen bei den Mitbewerbern, einen Zustrom an neuen Kunden. Das liege aber auch daran, dass Österreicherinnen und Österreicher „Experten beim Anbieterwechsel“ seien.

Mehr als 1,21 Millionen Kunden zählte Ventocom Ende 2021, ein Plus von 152.000 (15 Prozent). Das schlägt sich auch in den Marktanteilen nieder: Die Netzbetreiber (A1, Drei und Magenta) verlieren, wenn auch nur marginal Marktanteile, während die MVNOs dazugewinnen. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 zum dritten Quartal 2021 hat Ventocom um 1,4 Prozentpunkte zugelegt, Spusu ebenso. Derzeit hält Ventocom bei 8,10 Prozent der Marktanteile. 

Der Markt an sich wachse nicht mehr, wenn es überhaupt noch Bewegungen gebe, dann im Bereich M2M (Machine to Machine). Dabei handelt es sich um verschiedenste vernetzte Geräte, wie zum Beispiel Alarmanlagen. Hier sehe man noch Wachstum. Bei SIM-Karten für Smartphones und wohl auch Tastenhandys, die heute noch 2,55 Millionen ausmachen, sei mittlerweile eine Penetration von 144 Prozent erreicht. Somit besitzt jeder Mensch in Österreich mehr als 1,4 SIM-Karten.

5G wird „frühestens Ende 2022“ relevant für den Massenmarkt

5G ist bei HoT noch kein Thema. Krammer rechnet damit, dass die neue Technologie 2023 massenmarkttauglich werde. Es zeige sich aber wie schon bei bisherigen Mobilfunkstandards, dass 5G keine Revolution sondern eine Evolution sei. Es werde schneller sein und auch geringere Latenzen bieten, aber für Smartphones sei das wenig relevant und der Unterschied zwischen 4G und 5G wird kaum spürbar sein. Wo es durchaus spannend werden könnte, sind mobile Breitbandanschlüsse. Hier sieht Krammer aber eine Marktrelevanz erst 2023: „Erst dann wird es auch Router in einem Preissegment geben, die für Hofer-Kunden interessant ist“. Für die Netzbetreiber sei 5G effizienter und deshalb günstiger im Betrieb.

Ventocom betreibt kein eigenes Mobilfunknetz, es handelt sich um einen sogenannten MVNO, also einen virtuellen Betreiber. Möglich wurde dies durch eine Vorgabe der Wettbewerbshüter an „Drei“ bei der Übernahme von Orange. Um eine Monopolstellung zu verhindern, immerhin gab es dann nur noch drei Netzanbieter in Österreich, musste man sich dazu verpflichten, fremde Anbieter im Netz zuzulassen. Aktuell „fährt“ HoT bei den Smartphone-Tarifen über das Netz von Magenta und seit Oktober 2020 bei den mobilen Breitbandanschlüssen über Drei.

Ende 2022 läuft diese Vorgabe aus, weshalb die Telekombehörde TKK gemeinsam mit der RTR sowie der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) den Markt erneut untersucht. Ventocom trifft das Auslaufen der Auflagen nicht direkt, die Verträge mit T-Mobile und Drei liefen länger, so Krammer. 

„Indirekt tragen wir sehr wohl zum Netzausbau bei“ 

Die damit verbundenen Netzgebühren (Hostgebühr, Roaming und Interconnection) belief sich bei Ventocom 2021 auf insgesamt 70 Millionen Euro, um neun Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. „Damit tragen wir indirekt sehr wohl zum Netzausbau bei“, sagt Krammer und entkräftet damit das vorherrschende Argument der Netzbetreiber, dass der 5G-Ausbau kostenintensiv sei und die Erweiterung der Netze immer weitere intensive Investitionen verlange, weswegen man MVNOs nicht mehr weiter im Netz mitlaufen lassen könne. Auch RTR-Chef Klaus Steinmaurer sieht diese Aussagen skeptisch, wie er gegenüber der Wiener Zeitung im Jänner erläuterte: HoT trägt zum Ergebnis von Magenta einen ganz beträchtlichen Anteil bei, geschätzte 20 bis 30 Prozent seines Ebit, das ist schon eine ordentliche Summe“. Außerdem sei davon auszugehen, dass sich Anbieter wie HoT auf Angebote für mobile 5G-Breitbandanschlüsse fokussieren werden und weniger 5G-Business-Services und eigene Campus-Netze, worauf sich hingegen die großen Anbieter konzentrieren.

Ventocom bietet neben HoT noch andere Mobilfunkmarken an, darunter Rapid Mobil und seit neuestem Raiffeisen Mobil. Insgesamt machte das Unternehmen, an dem Krammer rund ein Drittel hält, im Vorjahr rund 105 Mio. Euro Umsatz, das ist ein Plus von 22 Prozent. Vom Umsatz gingen 70 Mio. Euro in Form von Netzgebühren weiter an die Netzpartner, um 15 Prozent mehr als 2020. Der Gewinn nach Steuern sei 2021 verglichen mit 2020 "in etwa gleich geblieben", so Krammer. 2020 waren es laut Firmenbuch 6,55 Mio. Euro.

>>> Wiener Zeitung