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TV-Dreiteiler

„Euer Ehren“: Ein Tiroler Mafiathriller nach israelischem Vorbild

Euer Ehren (3)
Sebastian Koch als skrupelloser Richter in "Euer Ehren".(c) ORF (Andreas H. Bitesnich)
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In „Euer Ehren“ schlüpft Sebastian Koch in eine Rolle, die schon Bryan Cranston gespielt hat: die eines Richters, der über Leichen geht. Exzellent sind auch die anderen Darsteller - von Tobias Moretti bis Ursula Strauss.

Eben erst hat man „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston in der Serie „Your Honor“ auf Sky in dieser düsteren Rolle erlebt: Als verzweifelten Vater und Topjuristen, der um jeden Preis seinen Sohn schützen will, der nach einem Unfall Fahrerflucht begangen hat. In der neuen ORF/ARD-Interpretation des gleichen Stoffs (als Grundlage diente beiden die israelische Serie „Kvodo“) gibt Grimme-Preisträger Sebastian Koch den zunehmend skrupellosen Richter. In „Euer Ehren“ heißt er Michael Jacobi und amtiert in Tirol. Oder besser gesagt: Er treibt hier sein Unwesen. Denn als Jacobi erfährt, dass das Unfallopfer der Sohn eines Mafiapaten ist, dessen Rache er fürchten muss, mutiert der feine Herr Rat zum Kriminellen. Er flüchtet von einer Notlüge zur nächsten, unterdrückt Beweismittel, nutzt seine Beziehungen, um zu intervenieren und falsche Fährten zu legen. Für ihn sind Tote bloß Kollateralschäden – Hauptsache, es ist nicht der eigene Sohn.

Der Stoff scheint so gut wie überall zu funktionieren. Er wurde bereits nach Frankreich, Russland, Italien, in die Türkei, in den Punjab verlegt. Für den US-Sender Showtime war seine in New Orleans angesiedelte Version, die „Sherlock“-Schöpfer Peter Moffat inszeniert hat, die meistgesehene Serie des Senders: Staffel zwei ist beauftragt. „Kvodo“ reiht sich damit in eine Liste erfolgreicher Serienvorlagen made in Israel ein – von „BeTipul“ („In Therapie“ läuft auf Arte) über „Kfulim“ (das zu „Suspicion“ wurde) bis „Hatufim“ („Homeland“).

Selbst im beschaulichen Tirol ist die Mafiastory plausibel: In „Euer Ehren“ kriegen einander ein Serbenclan und die Schmugglerbande des hiesigen Schlachthausbetreibers in die Haare, weil beide hinter den Ereignissen eine Kriegserklärung der jeweils anderen vermuten. Der Fleischer mit seinem großspurigen Auftreten und dem harten „ch“ ist eine Paraderolle für Tobias Moretti, der diesen Mann als überzeichnete Version eines ländlichen Dorfkaisers interpretiert: gönnerhaft, machtbewusst, skrupellos.

Der Mafioso droht dem Fleischer mit Kastration

„Weisch du eigentlich, wer i bin?“, herrscht er einen italienischen Mafioso an, der die Drogen sucht, die mit ein paar Dutzend Schweinehälften auf dem Weg über den Brenner verschwunden sind. Dass der ihm mit Kastration droht, sollte der Stoff nicht wieder auftauchen, beeindruckt den Tiroler wenig.

Die verschneite Bergkulisse, auf die er durch die riesigen Glasfassaden seines Landhauses blickt, passt gut zu diesem unterkühlten Thriller, den Regisseur David Nawrath (er hat mit David Marian auch das Drehbuch geschrieben) wie einen Nordic-Noir-Krimi anlegt. Der Cast ist durchgehend exzellent: Taddeo Kufus gibt Jacobis Sohn als traumatisierten Burschen, der von Gewissensbissen zerfressen wird. Ursula Strauss hegt als Kommissarin einen Verdacht gegen den befreundeten Richter – ist aber in der Hackordnung zu weit unten. Gerti Drassl hat eine kurze Glanzrolle als misstrauische Außenseiterin am Rande der dörflichen Gemeinschaft. Und Paula Beer muss sich als Tochter des Serbenpaten in Machomanier Respekt verschaffen. Nicht nur die Clans, die ganze Gesellschaft ist von Scheinheiligkeit, Korruption und Habgier zerfressen.

„Euer Ehren": ab 9. April, 20.15 Uhr, ORF2.


[SEGUY]