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Nachhaltigkeit

Der Facility Manager als Energiedienstleister

FM-Manager benötigen immer mehr energietechnisches Wissen.(c) Getty Images
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Im Zeitalter des Klimaschutzes spielt die Energieeffizienz von Gebäuden eine Schlüsselrolle. Für Facility Manager ist damit ein neues Zeitalter angebrochen, das ihnen erweitertes Know-how und neue Kompetenzen abverlangt.

Facility-Manager haben einen wesentlichen Einfluss auf die effiziente Nutzung und den Betrieb von Gebäuden und betrieblicher Infrastruktur. „Damit geht die Verantwortung einher, bewusst mit diesen Gebäuden und deren Ressourcenverbrauch umzugehen“, sagt Georg Stadlhofer, Präsident der IFMA Austria, der österreichischen Niederlassung des weltweiten Netzwerkes International Facility Management Association. Eine maßgebliche Gestaltungsrolle kommt dem FM zudem künftig beim Erreichen der vom aktuellen Regierungsprogramm angepeilten Sanierungsquote von drei Prozent zu – immerhin eine Verdreifachung des aktuellen Werts. „Damit wird nicht nur der Gebäudebetrieb, sondern auch der Gebäudebestand an sich, für den wir in der Betriebsphase ja verantwortlich zeichnen, stärker in den Fokus rücken“, so Stadlhofer.

Regulatorik und Aufgaben

Dass der Arbeitsbereich des technischen FM immer größer wird, hängt nicht nur mit den Vorgaben des österreichischen Regierungsprogramms 2020 zu Klimaschutz und Energieeffizienz zusammen. Neue Aufgabenfelder erwachsen ebenfalls aus dem European Green Deal und der Europäischen Richtlinie für energieeffizienten Betrieb (EPBD – Energy Performance of Buildings Directive). Etwa wenn das energetische Ziel der neu errichteten Gebäude der Nullenergie- beziehungsweise Plusenergiestandard sein wird und alle dafür erforderlichen bau- und gebäudetechnischen Maßnahmen eingehalten werden müssen.

Bezüglich der Sicherstellung des energieeffizienten Betriebs sind regelmäßige Monitoring-Werte und eine entsprechend intelligente Steuerung erforderlich. Bei Inspektionen muss künftig zudem auf den korrekten energieeffizienten Betrieb der Anlagen geachtet werden. Eine weitere Herausforderung: Die Erstellung des Smart Readiness Indicator, SRI, der die technologische Leistungsfähigkeit eines Gebäudes misst und anzeigt, wie intelligent es in Bezug auf bestimmte Ausrüstungsmerkmale (intelligente Zähler, Automationssysteme oder Sensorik) auf ein weitgehend dekarbonisiertes, erneuerbares Energiesystem vorbereitet ist. „Den Facility Managern kommt eine Schlüsselposition zu, um diese Aufgaben zu bewältigen. Ihr Wissen über die Gebäudenutzung und das Nutzerverhalten ermöglicht schließlich erst eine optimierte Auslegung und Anlagendimensionierung und somit einen möglichst effizienten Gebäudebetrieb“, sagt Doris Bele vom FM-Spezialisten Apleona. Laut der FM-Austria-Vorstandsvorsitzenden müssen Facility Manager zwar keine Bauteile und Anlagen konstruieren, wohl aber die energetischen Kennwerte und Atteste der Fachingenieure beurteilen können, um den Bauherrn beziehungsweise Eigentümer in der Inbetriebnahme- und Betriebsphase gut zu beraten. Facility Manager werden dabei zusehends zu Energiedienstleistern, die als Consultants ihr Fachwissen unter Beweis zu stellen haben, beispielsweise was Mess-, Steuer- und Regelungstechnik betrifft.

„Der Bereich Informationstechnologie nimmt durch IoT, Sensorik und Digitalisierung immer mehr Raum in modernen Gebäuden ein, und es wird immer wichtiger, hier zumindest die Grundbegriffe zu kennen“, betont Bele. Know-how ist zudem in Bezug auf nachhaltige Energieerzeugung, Speicherung und Verteilung, IP-Kommunikation, Automationstechnologie oder Vernetzung der gebäudetechnischen Komponenten zu einem sinnvollen Gesamtsystem gefragt.

Controlling und Maßnahmen

Energiemanagement wird im Facility Management laut Experten zur neuen Kerntätigkeit. „Die zentrale Aufgabe besteht darin, die Energiebereitstellung, den Verbrauch sowie die damit verbundenen Kosten zu optimieren, ohne etwa den Nutzerkomfort, die Anlagenverfügbarkeit oder die Nutzungsdauer von Gebäuden einzuschränken“, erläutert Stefan Schwan, Leiter Facility Services beim FM-Komplettanbieter Engie Deutschland. Die Grundlage eines effektiven Energiemanagements bilde das professionelle Energiecontrolling. Aus der detaillierten Erfassung, Analyse und Bewertung der Verbrauchsdaten werden in einem zweiten Schritt die notwendigen Optimierungsmaßnahmen abgeleitet und umgesetzt. „Die gesteigerte Energieeffizienz trägt dabei sowohl zu Kostensenkungen als auch zu einer Schonung der Ressourcen und der Umwelt bei und stärkt gleichzeitig das Energiebewusstsein der Nutzer“, betont Schwan. Ohne den Einsatz moderner Energiemanagementsysteme bleibe die Versorgung von Gebäuden mit Energie teuer und wenig nachhaltig. In der Verzahnung von Energiemanagement und Facility Management lässt sich die Energieeffizienz hingegen steigern, und Kosten sowie Treibhausemissionen können reduziert werden.

Auf einen Blick

Bau und Betrieb von Gebäuden sind laut einer Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) für knapp 40 Prozent der globalen energiebezogenen CO2-Emissionen verantwortlich. Und sie verursachen mehr als ein Drittel des weltweiten Endenergieverbrauchs. Für das technische Facility Management, das vor allem Instandhaltung und Energiemanagement von Immobilien umfasst, erwachsen daraus mit Blick auf den Klimaschutz neue Herausforderungen.