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Literatur

Worte, die an Armen und Beinen jucken

Entwurzelt: Selene Marianis „Ellis“ steht zwischen zwei Sprachen und Kulturen.

Hin- und hergerissen, gar verloren zwischen deutscher und italienischer Identität: So fühlt sich die junge Ellis, in deren Leben Selene Mariani eindrücklich Einblick gewährt. Ständig gibt es Sprünge zwischen der Vergangenheit, ab 1999, und heute, 2019. Ellis ist „halb und halb“: halb Italienerin durch den Vater, halb Deutsche durch die Mutter. Nach der Trennung der Eltern zog Ellis mit der Mutter nach Deutschland, wo sie sich erst hart einen Platz erkämpfen musste. Kaum hatte sie ihn dort halbwegs errungen, schien sie ihn in Italien verloren zu haben: „lost in translation“ ebenso wie zwischen den Kulturen. Als Kind fuchtelte sie beim Reden mit den Händen, bis die Schulkollegen sie nach dem Grund fragten. Daraufhin gewöhnte sie sich an, auf ihren „Fingern zu sitzen, bis sie taub sind“. Und es blieb nicht nur bei diesen verständnislosen Fragen.

Ellis erzählt in der Ich-Form vom Damals und im Heute, die Episoden sind manchmal kurz, manchmal lang, immer bedeutungsreich, oft schmerzhaft bildlich. Was nicht gesagt wird, wiegt schwerer. Am schwersten wiegt all das, was sie mit der gleichaltrigen Nachbarin erlebte, die nach ihr in das Wohnhaus zog und in dieselbe Klasse kam.