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Mein Samstag

Ist das Kuchen?

„Ich koste jetzt mehr“, hat das Kind neulich überglücklich festgestellt. Das Kind ist nämlich soeben zwölf geworden, weshalb nun einige Freizeit-Aktivitäten (wie manche Hotels oder Flugreisen) teurer werden.

Jetzt ist die Tatsache, dass man künftig mehr zahlen darf, nicht unbedingt etwas, worüber man sich als Eltern sehr ausgelassen freut, aber Kinder können jede weitere Kerze auf dem Geburtstagskuchen kaum erwarten. (Die Frage, bis zu welchem Alter man die Zahl seiner Lebensjahre in Kerzenform auf die Torte gesteckt bekommt, und ab welchem Geburtstag das Kerzenmeer fast unhöflich wirkt, ist diplomatisch durchaus heikel, finde ich.)

So ein Kindergeburtstag geht ja kulinarisch mit zig Backtagen einher: Kuchen für die Schule, Kuchen für die erste Feier, Kuchen für die zweite Feier mit der Verwandtschaft, kein Kuchen für die dritte Feier mit der Verwandtschaft (die Oma in Graz besteht auf gekaufter Sachertorte, auch gut). Noch mehr Kuchen für die Party mit den Freundinnen (die wir coronabedingt aber ein bisschen nach hinten verschoben haben, wodurch die Zucker- und Kalorienmenge ein wenig entzerrt wird).

Gebacken wird bei uns daheim derzeit auch im TV-Gerät, denn das Kind hat auf Netflix eine dieser sehr aufgeregten knallbunten Backshows entdeckt. Die nennt sich „Ist das Kuchen?“, und die Teilnehmer müssen dabei Kuchen backen, die keinesfalls wie Kuchen aussehen, sondern sich täuschend echt als Hamburger, Bowling-Kugel oder Handtasche ausgeben können. Interessantes Konzept. Ich persönlich bin ja immer eher froh, wenn mein Kuchen am Ende halbwegs so aussieht wie, nun, der Kuchen im Backbuch. Backtechnisch war das Kind bisher mit mir recht zufrieden, beim Kochen nicht durchgehend. Meine Bolognese-Sauce etwa ist im Familien-Ranking des Kindes einmal auf Platz fünf gelandet. Auf Platz eins kam die Bolognese vom Papa, auf Platz zwei die von der Oma. Aha, habe ich damals erstaunt gesagt. Und wer ist auf den Plätzen drei und vier? Niemand, hat das Kind gesagt. Die bleiben leer. Platz fünf von drei Teilnehmern. Das schafft auch nicht jeder. In diesem Sinne: Backen Sie was Schönes!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2022)