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US-Ökonomen schießen auf die Notenbank

(c) EPA (Boris Roessler)
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Die Geldpolitik der Federal Reserve spaltet das „ökonomische Amerika“. Das Anwerfen der Gelddruckmaschinen soll die langfristigen Zinsen senken und auf diese Weise den Aufschwung stützen.

Washington/wien/rie Auch in Zeiten von E-Mails sind Briefe nicht überholt – vor allem wenn es darum geht, seinen Protest kundzutun. In einem offenen Brief, der jetzt in mehreren US-Zeitungen als Inserat erschienen ist, kritisieren 23Wirtschaftsexperten die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Weitere Milliarden in den Markt zu pumpen sei nicht notwendig und nicht empfehlenswert. Anderer Meinung ist US-Investor Warren Buffett, der die Programme – ebenfalls in einem offenen Brief – lobt.

Anlass für die Auseinandersetzung ist die Ankündigung der US-Notenbank, bis März 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen zu kaufen. Die Aktion, mehr oder weniger das Anwerfen der Gelddruckmaschinen, soll die langfristigen Zinsen senken und auf diese Weise den Aufschwung stützen.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte in der „Washington Post“ die Maßnahme damit erklärt, dass die Inflation zu niedrig sei, um die Wirtschaft zu stimulieren, und warnte vor einer Deflation.

Die 23 Experten, darunter klingende Namen wie Niall Ferguson (Harvard), die Stanford-Professoren John Cogan, John Taylor (Finanzstaatssekretär unter George Bush) und Michael Boskin sowie der konservative Autor Bill Kristol, widersprechen Bernanke: „Wir teilen die Meinung nicht, dass die Inflation gepusht werden muss.“ Vielmehr sorge man sich, dass die Politik der Geldmengenausweitung die Finanzmärkte verzerren und die Rückkehr zu einer normaleren Geldpolitik in den USA erschweren werde.

 

Währungsverfall als Risiko

Der Plan Bernankes sei nicht notwendig oder empfehlenswert, man riskiere einen „Währungsverfall und Inflation“ und erreiche nicht das Ziel, die Zahl der Arbeitslosen zu senken. Daher müsse das Fed-Vorhaben „noch einmal überlegt und beendet“ werden.

Der Brief der mehrheitlich den Republikanern zuzurechnenden Unterzeichner heizt die politische Diskussion um die Fed an. Offiziell ist die Notenbank so unabhängig wie die Europäische Zentralbank. Bob McTeer, ehemaliger Präsident der Federal Reserve Bank von Dallas, beklagte, dass die Ökonomen mit ihrem Brief die Fed-Entscheidungen „politisieren“.

Lob und Kritik an der Fed lässt sich in den USA entlang der Parteilinien festmachen. So bedankte sich etwa der bekennende Demokrat und drittreichste Mensch der Welt, Warren Buffett, bei der US-Regierung für ihre Leistung in der Wirtschaftskrise. „Lieber Onkel Sam“, schrieb Buffett in der „New York Times“, „oft bist Du verschwenderisch [...], das Krisenmanagement war für eine Regierungsarbeit aber ziemlich gut.“

Einzelne Entscheidungen könne man zwar infrage stellen, doch insgesamt sei die Politik „bemerkenswert effektiv“ gewesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2010)