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Glosse

Bitte die gute Laune zu Hause lassen!

Zu viel des Guten: Psychologen warnen vor „Toxic Positivity“. Wird nun der wienerische Grant als gut gegorenes Gegengift zum Exportschlager?

Früher schrieb man Einladungen zu Geburtstagsfesten: „Bitte gute Laune mitbringen!“ Das ist heute obsolet, weil ein blank geputztes Gemüt zur sozialen Grundausstattung gehört. Wer nicht als altmodischer Kauz schief beäugt werden will, muss immer gut drauf sein. Vom Dauergrinsen in den sozialen Netzwerken aus hat der kategorische Imperativ „Good vibes only“ den analogen Alltag erobert. Nicht einmal ein Krieg in Europa kann daran etwas ändern. Uns gehe es ja weiterhin gut, auch jede persönliche Krise sei eine Chance, und wer das nicht jauchzend bejaht, müsse an seiner Einstellung arbeiten, Pardon: an seinem Mindset. Aber damit ist jetzt Schluss. Aus den USA naht Entlastung, und weil heute alles Übertriebene als Gift gilt, wettern nun Psychologen gegen „Toxic Positivity“.

Ihre Diagnose: Wer seine negativen Gefühle schamhaft verbirgt, handelt sich viel Schlimmes ein, angefangen mit Bluthochdruck. Krank macht auch ein aufgesetztes Lächeln, wie Studien imjapanischen Dienstleistungssektor gezeigt haben. Wohldosierte positive Verzerrung – vulgo Optimismus – sei zwar förderlich, aber zwanghaftes Schönfärben dysfunktional. So kommen die Forscher zu dem verblüffenden Schluss: Wenn einem Gutes widerfährt, soll man sich gut fühlen, und wenn einem Schlechtes passiert, schlecht.