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Morgenglosse

Über Gewalt gegen Frauen reden - bevor es zum Schlimmsten kommt

Die alarmierend hohe Zahl an Frauenmorden hat zur Forcierung von präventiven Maßnahmen geführt. Eine davon, die verpflichtende Gewaltpräventionsberatung für aggressive Männer, erweist sich als durchaus sinnvoll.

2018 war die bisher traurigste Spitze der Kriminalstatistik erreicht: 41 Frauen wurden damals in Österreich ermordet. Eine auch im internationalen Vergleich absolut alarmierende Zahl. Im abgelaufenen Jahr wurden - trotz gesetzlicher Nachschärfungen, Expertenrunden und Screenings  - immer noch 29 weibliche Mordopfer (darunter ein Kind) gezählt. Interventionsstellen und Opferschutz-Zentren fordern zu Recht, dass das von der Bundesregierung zuletzt aufgestockte Präventions-Budget noch um ein Vielfaches erhöht wird.

Die gute Nachricht: Die im September eingeführten verpflichtenden Beratungsgespräche, zu denen aggressive Männer (ja, zu 90 Prozent sind es Gefährder und nicht Gefährderinnen) verpflichtet werden, stellen offenbar eine Maßnahme dar, mit der es sich - aus Opferschutz-Sicht - arbeiten lässt. Das sagt jedenfalls der Verein Neustart, also jene Stelle, die eben diese Form der Täterarbeit in fünf Bundesländern vollzieht.

Im Verbund mit der Polizei, die Betretungs- und Annäherungsverbote gegen Gewalttäter verhängt (wobei Gewalt früh beginnt, den Morden gehen meist andere Aggressionen, oft im Familienkreis, voraus), werden Männer in sechs Gesprächsstunden an ihre Verantwortung erinnert.

Nein, man erreicht bei weitem nicht alle. Ohne Anzeige bei der Polizei, ohne Hinschauen bleibt weiterhin Vieles unentdeckt. Aber: Es gab seit September bereits tausende solcher Gespräche. Gemäß Neustart-Erfahrungen kommt der überwiegende Teil der Gefährder von sich aus zu den Terminen. Und lässt es nicht auf eine polizeiliche Ladung oder Bußgelder ankommen. Für viele Männer, so zeigt sich, ist es das erste Mal, dass sie von Dritten auf ihr Verhalten angesprochen werden. Und zum Nachdenken gebracht werden. Ein Anfang also. Immerhin.