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Kunst im Krieg

Kiews Ex-Kulturchefin: "Ein Boykott ist eine Zeit lang angebracht"

„Hier in Wien bin ich produktiver und nützlicher, als wenn ich in der Ukraine in einem Bunker sitze“, sagt die 33-jährige Kulturmanagerin Yana Barinova.
„Hier in Wien bin ich produktiver und nützlicher, als wenn ich in der Ukraine in einem Bunker sitze“, sagt die 33-jährige Kulturmanagerin Yana Barinova.Die Presse / Clemens Fabry
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Yana Barinova leitete das Kulturamt der Stadt Kiew, als sie vor einigen Wochen nach Wien flüchtete. Ein Gespräch über Kinoabende im Bunker, die Kiewer Kunstszene und ihre Forderung, die „russische Welt“ aus Europa auszuschließen.

Während in und um Kiew Bomben fielen, wurden die kulturellen Aktivitäten der Stadt – die wenigen, die noch möglich waren – in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn von Wien aus gelenkt: Die Kiewer Kulturamtsleiterin Yana Barinova, die mittlerweile nicht mehr im Amt ist, war mit ihrer 13-jährigen Tochter und ihrer Mutter nach Österreich geflüchtet. Die 33-Jährige hatte seit einem Jahr die Kulturinstitutionen von Kiew verantwortet. Zwischen 2016 und 2019 leitete sie die Entwicklung der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar, bevor sie nach inhaltlichen Disputen ausstieg. In Wien, wo schon ihre jüngere Schwester lebt – die Studentin Lina Barinova hat hier die Hilfsorganisation YOUkraine gegründet –, will sie nun ein neues Leben beginnen.

Sie sind Anfang März nach Wien geflüchtet. Wie ist es Ihnen seither ergangen?

Yana Barinova: Die ersten beiden Wochen waren von Verleugnung geprägt. Nur langsam konnte ich anerkennen, was mit meinem Land passiert. Mittlerweile habe ich eine innere Ruhe gefunden. Mein Vater ist in der Gegend um Odessa geblieben, er verteidigt die Schwarzmeerküste. Ich wache jeden Morgen um fünf auf, manchmal um vier, um zu sehen, ob Odessa bombardiert wurde. Ich lese ständig die Nachrichten, Telegram-Kanäle, die Prognosen ukrainischer und internationaler Experten, um eine Ahnung zu bekommen, was passieren wird.

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