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Elternvertreter

Die Digitalisierungsoffensive in den Schulen stockt

Die Geräte-Offensive in den Schulen wurde von der damaligen Bundesregierung stark beworben.APA/ROLAND SCHLAGER
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Im September wurden die fünften und sechsten Schulstufe in Österreich mit Laptops und Tablets ausgestattet. Ein halbes Jahr vor dem Start des neuen Pflichtfachs „Digitale Grundbildung“ werden die Geräte nur noch selten genutzt, wie Elternvertreter kritisieren.

Mitten im Wahlkampf in Oberösterreich gaben das Bildungsministerium unter dem damaligen Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) den Startschuss für die Digitalisierungsoffensive in den Schulen. Laptops und Tablets wurden verteilt. Doch ein Viertel der Schüler wartet seit mehr als einem halben Jahr noch immer auf Geräte, wegen "Funktionsmängeln“, wie es heißt. Doch auch die restlichen Geräte scheinen in der 5. und 6. Schulstufe nicht so genutzt zu werden, wie man sich das vorgestellt hat. Elternvertreter melden Verbesserungsbedarf: Die Geräte werden offenbar zu selten genutzt.

250 Millionen Euro hat das Bildungsministerium für die Laptops und Tablets in die Hand genommen. Die Schüler übernehmen ein Viertel der Kosten, dafür gehen die Geräte in ihr Eigentum über. Im Unterricht seien die Geräte allerdings zum Teil im vergangenen Wintersemester nur ein einziges Mal eingesetzt worden, kritisierte der Sprecher des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Christoph Drexler, am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal". "Einmal im Semester ist doch etwas wenig für das, dass die Geräte viel gekostet haben und dann natürlich auch sinnvoll eingesetzt werden sollten."

Maximal 107 Euro Selbstbehalt

42 Prozent der teilnehmenden Schulen sprachen sich für Windows-Notebooks aus, gefolgt von 27 Prozent für iPads, was insgesamt 45.000 Stück entspricht. Chromebooks werden hingegen nur an fünf und Android-Tablets gar nur an zwei Prozent der Schulen zum Einsatz kommen.

Der Selbstkostenbeitrag beläuft sich auf 25 Prozent und liegt bei maximal 107 Euro, inklusive einer vierjährigen Versicherung auf die Geräte. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Antrag auf Befreiung gestellt werden.

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Nur sieben Prozent haben sich nicht an der Geräte-Aktion beteiligt, die künftig jedes Jahr für die fünfte Schulstufe angeboten werden soll. Voraussetzung dafür ist ein Konzept, wie die Geräte im Unterricht eingesetzt werden sollen. Die Elternvertreter hätten allerdings den Eindruck, dass es "in der Umsetzung zum Teil auch hapert", so Drexler. Er hofft, dass die Einführung des neuen Pflichtfachs "Digitale Grundbildung" im kommenden Schuljahr einen Schub bringen wird. Schließlich müssten die Geräte dann auf jeden Fall dafür in die Schule mitgebracht werden - "und dann werden die Geräte hoffentlich auch über diese eine Stunde hinaus verwendet".

Die Infrastruktur ist verbesserungswürdig

Doch auch bei der Hardware an den Standorten hapert es laut Drexler immer noch: An vielen Standorten gebe es nur unzureichendes Internet oder zu wenige Steckdosen, damit alle Schüler ihre Geräte auch wirklich nutzen können. Im Bildungsministerium wurde laut dem Bericht betont, dass an den Hardwareproblemen gearbeitet werde. Zuständig seien aber die Schulerhalter, bei den Mittelschulen seien das vielfach Länder und Gemeinden. An AHS, bei denen der Bund zuständig ist, soll es mit Ende dieses Schuljahres überall Breitbandinternet und leistungsfähiges Wlan geben.

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(APA/bagre)