Und das Bilderverbot? Michelangelo malte in der Sixtinischen Kapelle den Schöpfergott als weißen alten Mann.
Theologie

Der Körper Gottes vor dem Verschwinden

Donnernde Schritte, leuchtendes Gesicht: Gar nicht rein geistig sei der Gott der Bibel (gewesen), meint die britische Bibelwissenschaftlerin Francesca Stavrakopoulou – und seziert dessen „Anatomie“ von Fuß bis Kopf. Aus Jesaja liest sie sogar Gottes Genitalien.

Der Leib Christi – nehmt und esst . . . Es ist bei Gott kein rein geistiger Ritus, dessen Einsetzung die Christen am Gründonnerstag feiern. Sigmund Freud hat ihn kühn als Variation der Totem-Mahlzeit interpretiert, die einst an den urzeitlichen Vatermord erinnert haben soll; aufgeklärte Christen sehen ihn lieber als Zeichen dafür, dass der christliche Gott ganz Mensch geworden sei – und damit eben auch körperlich, fleischlich und leidend.

Das Mysterium der Dreifaltigkeit macht das den Christen möglich. Denn zugleich schrecken sie vor körperlichen und bildlichen Darstellungen Gottes zurück, berufen sich dabei auf einen Satz des ersten – bzw. für Juden, Orthodoxe und Reformierte des zweiten – Gebots: Du sollst dir kein Bildnis machen. Dieses Bilderverbot sei typisch für die jüdische Religion, denken wir, genau dadurch habe sich Gott Jahwe von all den heidnischen Göttern unterschieden. In seinem geistreichen Buch „Gott. Eine Biographie“ hat der US-Theologe Jack Miles das so ausgedrückt: „Die israelitische Mythologie kennt keinen Olymp, keinen Sportclub, wo sich eine Gottheit mit Ihresgleichen tummelt.“

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