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Thanatopraxie

Der "Make-up-Artist" der Verstorbenen

Der gelernte Zuckerbäcker Andreas Nevrivy steht an seinem Arbeitstisch im unterirdischen Thanatopraxieraum auf dem Wiener Zentralfriedhof, wo er die Toten präpariert.
Der gelernte Zuckerbäcker Andreas Nevrivy steht an seinem Arbeitstisch im unterirdischen Thanatopraxieraum auf dem Wiener Zentralfriedhof, wo er die Toten präpariert.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Andreas Nevrivy ist Thanatopraktiker auf dem Wiener Zentralfriedhof. Auf Wunsch von Hinterbliebenen nimmt er sich der Optik von Toten an. Damit erweist er den Verstorbenen die letzte Ehre, wie er sagt. Ein Lokalaugenschein anlässlich des Karfreitags.

„Ich kann niemanden für den Opernball schminken. Es geht bei meiner Arbeit vielmehr darum, die natürliche Farbe ins Gesicht zu bringen und den Körper so aussehen zu lassen, als ob er durchblutet wäre“, sagt Andreas Nevrivy.

Um zum Arbeitsplatz des 38-jährigen zu gelangen, muss man im wahrsten Sinne des Wortes unter die Erde. Im Keller der Halle eins auf dem Zentralfriedhof präpariert und schminkt er Verstorbene. Diese Arbeit – die Thanatopraxie – verrichtet er auf Wunsch der Angehörigen, die den Verstorbenen gern noch einmal sehen wollen, und zwar so, wie sie ihn in Erinnerung haben. Mit Nevrivy gibt es insgesamt vier Personen der Bestattung Wien, die diesen doch etwas skurrilen Beruf ausüben.

So mancher will ihm deshalb nicht einmal die Hand geben, denn „ich könnte ihm ja den Tod bringen“. Das relativ komplizierte Verfahren wird seit 2005 von der Bestattung Wien angeboten und kostet von 660 bis zu über 1000 Euro. Neben seiner Arbeit auf dem Zentralfriedhof liefert Nevrivy Särge aus und holt Verstorbene ab.

Nadel und Garn für Wunden

Für seine Arbeit im Thanatopraxieraum trägt Andreas Nevrivy eine grün-türkise Hose mit dazugehörigem Oberteil. Der Raum ähnelt einem Operationssaal: zwei Metalltische, blauer Bodenbelag, Fliesen an den Wänden, keine Fenster. Auf der Ablagefläche steht ein großer brauner Schminkkoffer, daneben liegen etliche Bürsten, Haarklammern, Wattepads und Pinsel. Auch ein Föhn und Haarspray dienen dem 38-Jährigen als Hilfsmittel bei der Arbeit.