Vor dem Liebestod: Die gerade angekommene Isolde (Martina Serafin) über dem sterbenden Tristan (Andreas Schager).
Staatsoper

Tristan und Isolde ohne Liebestrank im seichten Wasser

Jubel für Philippe Jordan und das Orchester, wütende Buhs für Calixto Bieito, dessen Regie sich in dunkler Metaphorik verliert. Andreas Schager verausgabt sich zu früh, Martina Serafin fehlt es an Poesie: eine durchwachsene Premiere.

Am Schluss des ersten „Tristan“-Aktes ist komponiert, wie den Protagonisten und genauso dem Publikum der Mund offen bleibt: Der C-Dur-Dreiklang der Königsfanfaren, der nach dem letzten Orchestertuttischlag in einer Fermate überhängt, er bedeutet jene schockartige Lähmung, die einen angesichts des Erlebten befällt. Wie soll es weitergehen?, fragen sich Isolde und Tristan: In dem Glauben, Gift genommen zu haben, wagten sie endlich, einander ihre allen Konventionen und Loyalitäten zuwiderlaufende Liebe zu gestehen. Liebestrank war dazu gar keiner nötig – aber weil es eben auch kein Todestrank war, müssen sie zu ihrem Entsetzen weiterleben. Tristan steht von seiner Schaukel auf und geht einfach ab, tritt quasi seinen Dienst an. Isolde kann ihn nicht halten und bleibt auf ihrer Schaukel sehnend zurück . . .

Calixto Bieito hat für den kurzen Moment zwischen dem Abwinken des Akkords und dem Ausgehen des Lichts noch eine szenische Pointe vorgesehen: Die kurz zuvor hochgezogenen, weiteren Schaukeln rasseln plötzlich wieder herunter. Sie waren noch gar nicht dort angelangt, setzte schon das wütende Buhgebrüll von der Galerie ein: Da war offenbar etlichen Besuchern der Mund zuvor aus Inszenierungsgründen offen geblieben. Ein Teil des Hauses stimmte in die Proteste mit ein, während andere jubelten: ein Vorgeschmack auf die Szene beim Vorhang des Regieteams hinterher. Der Regisseur formte mit den Händen ein Herz in Richtung seiner Kritiker.

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