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Vom Taler zum Dollar: Alles begann in Hall in Tirol

Taler Dollar Alles begann
(c) Reuters (Nicky Loh)

Um 1500 brach in der Münzgeschichte eine neue Ära an: Die des Talers. Was folgte, war der kometenhafte Aufstieg der Silbermünze.

"Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zur andern", lautet ein beliebtes Kinderlied. Und es war ein weiter Weg, den der Taler nehmen musste, ehe er es als amerikanischer Dollar zur Weltwährung schaffte.

Die Geschichte des Talers beginnt um 1500, als die Münzproduktion in Tirol ihren Aufschwung nahm. Die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts deutlich gestiegene Silberausbeute der Münzstätte Hall bei Schwaz im Inntal veranlasste den Landesherrn Herzog Sigismund von Tirol im Jahr 1484 dazu, erstmals den Gegenwert eines halben Gold-Guldens in Silber zu prägen. Zwei Jahre später kam es zur Ausgabe einer doppelt so schweren Silbermünze. Da diese im Wert einem Gold-Gulden entsprach, wurde sie "Guldiner" genannt.

Die Wanderung des Talers

Die Namenstaufe des Talers erfolgte schließlich Anfang des 16. Jahrhunderts. Die bedeutendste Silbermünze kam aus der böhmischen Münzstätte Joachimsthal (heute das tschechische Jachymov). Der nach dem Ort benannte "Joachimsthaler" Gulden, hergestellt nach dem Tiroler Vorbild, wurde schließlich zum "Thaler". Im Laufe des 16. Jahrhunderts machte der Taler schließlich dem Gold-Gulden die Vorherrschaft abspenstig.

Schon bald nannte man in ganz Europa Münzen dieser Größe nur noch "Taler". Der silberne Taler konnte einfach in einer wesentlich größeren Stückzahl produziert werden. Die bedeutenden Handelshäuser stellten ihre Buchhaltung auf die neue Taler-Währung um.

Der Aufstieg des Talers

Damit war der Aufstieg des Talers nicht mehr zu bremsen. Das Ende kam erst mit der deutschen Reichsgründung 1871, als die Mark die neue Reichswährung wurde. Doch der Taler begnügte sich nicht mit einer Karriere im deutschsprachigen Raum. Er wurde in vielen Ländern gebräuchlich:

  • Niederlande - Daalder
  • Italien - Tallero
  • Spanien - Tálero
  • Portugal Dolera
  • Polen - Talar

Darüber, wie es der Taler schließlich zur Weltleitwährung Dollar schaffte, gibt es zwei unterschiedliche Deutungen.

Aus dem Taler wird der Dollar

Einerseits legte Kaiser Karl V. 1524 einen Reichstaler mit fixem Silbergehalt fest. Dieser bildete die Leitwährung des Heiligen Römischen Reiches. Da Karl V. zugleich aber auch König Spaniens war, gelangte der "Dolaro" als Bezeichnung für die talergroße 8-Reales-Münze nach Mexiko und von dort in die englischen Kolonien Nordamerikas. Andererseits brachten die englischen Kolonialisten die seit Mitte des 16. Jahrhunderts in England geprägte "Crown", die im Volksmund als "Dollar" bezeichnet wurde, in die Neue Welt. Mit dem britischen Kolonialdrang dürfte der Dollar so nicht nur in die USA, sondern quer über alle Kontinente gewandert sein.

So ist der Dollar in Australien, Kanada, Simbabwe und Singapur noch heute Landeswährung. Auch in Slowenien war der "Tolar" bis zur Einführung des Euro gebräuchlich.

Exkurs

In Österreich wurde ab 1753 der Maria-Theresien-Taler geprägt, mit dem Bildnis der Kaiserin Maria Theresia (1740 bis 1780). Die Münze wurde zwar 1858 in Österreich demonetarisiert, wurde aber als Handelsmünze bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Arabien und Äthiopien verwendet. Der Maria-Theresien-Taler ist die häufigste Silbermünze der Welt und wird bis heute für Sammler geprägt.