Rudolfsheim-Fünfhaus ist der erste Bezirk jenseits des Gürtels, der aufgrund des rot-grünen Koalitionspakts das Parkpickerl flächendeckend einführt. Bezirke entlang des Gürtels wollen diesem Beispiel folgen.
[Wien] Nach der Ankündigung der grünen Parteichefin Maria Vassilakou, die Wiener Bezirke sollten autonom über die Einführung des Parkpickerls entscheiden, geht es Schlag auf Schlag: Rudolfsheim-Fünfhaus wird der erste Bezirk sein, der dieses neue Angebot annimmt, und flächendeckend das Parkpickerl einführen - als erster Bezirk jenseits des Gürtels.
„Ja, das stimmt", erklären SP-Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal und der grüne Klubchef von Rudolfsheim-Fünfhaus, Christian Tesar, der „Presse": „Es wird einen rot-grünen Antrag zur flächendeckenden Einführung des Parkpickerls im 15. Bezirk geben."
Dieser Antrag wird nach dem rot-grünen Beschluss dem Gemeinderat vorgelegt und dort mit dem Wohlwollen der grünen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou beschlossen werden. Der Zeitplan? „Das Parkpickerl wird so schnell wie möglich eingeführt", so Tesar: „Es geht darum, dass es genug Parkplätze für die Bezirksbewohner gibt." Zatlokal ergänzt: „Es ist im 15. Bezirk ein Druck entstanden, weil viele Pendler mit dem Auto bis zum Westbahnhof oder zu anderen U3-Stationen fahren und erst dort in die U-Bahn umsteigen, während Park-and-Ride-Anlagen an der Stadtgrenze nicht ausgelastet sind."
Welche Bezirke folgen werden
Falls es sich ausgeht, wird der Antrag bei der nächsten Sitzung des Bezirksparlaments am 2. Dezember beschlossen, danach beginnt der Fristenlauf (Beschluss im Gemeinderat etc.). Wobei Tesar zugibt: Ein Beschluss am 2. Dezember wäre sehr kurzfristig, es sei auch unsicher, ob sich das ausgehe: „Falls nicht, wird der Antrag bei der nächsten Sitzung gestellt." Dann folgen technische Erhebungen und Untersuchungen, ob die Parkplatzzahl mit Garagen noch erhöht werden müsse. In rund zwei Jahren könnte dann das Parkpickerl offiziell eingeführt werden, rechnet Zlatlokal.
Ein brisantes Detail: Das Parkpickerl wird mit den Nachbarbezirken abgestimmt. Dazu laufen bereits Gespräche, denn, so Zatlokal: „Die Einführung des Parkpickerls wird einen Verdrängungseffekt haben." Deshalb wünscht sich der SP-Bezirkschef ein gemeinsames Vorgehen: „Es wäre sinnvoll, wenn nicht nur ein Bezirk, sondern auch die angrenzenden Bezirke das Parkpickerl zumindest teilweise einführen." Das betreffe die Bezirke Penzing, Ottakring und Hernals, konkret das dicht verbaute Gebiet entlang des Gürtels, wo es bereits seit einiger Zeit Parkplatzprobleme geben. Diese Gespräche laufen laut dem SP-Bezirkschef gut.
Parkpickerl in der Donaustadt?
Somit könnten (fast zeitgleich) auch die Nachbarbezirke mit einer begrenzten Pickerlzone im dicht verbauten Gebiet entlang des Gürtels folgen. Übrigens: Die abendliche Kurzparkzone rund um die Wiener Stadthalle soll bestehen bleiben, weil sie sich laut Rot-Grün bewährt habe. Man müsse nur noch schauen, wie sie in die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung eingegliedert werde.
Wie „Die Presse" erfuhr, soll es noch weitere Überraschungen geben. Das Parkpickerl könnte erstmals nicht nur über den Gürtel, sondern auch über die Donau exportiert werden. Konkret gibt es Überlegungen, in jenen Bereichen der Donaustadt, die von Pendlern stark mit dem Auto frequentiert werden, Parkpickerlzonen zu errichten. Das würde dem Plan des langjährigen Ex-Verkehrsstadtrates Rudolf Schicker entsprechen, das Parkpickerl z. B. rund um U-Bahn-Stationen etc. einzusetzen, damit Pendler die Park-and-Ride-Anlagen der Stadt benutzen und nicht einzelne Bezirksteile völlig zuparken. Dieses „Insellösung" genannte „Grätzel"-Parkpickerl wird dem Vernehmen auch in allen anderen Bezirken überlegt und könnte in ganz Wien zum Einsatz kommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2010)