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Streamingtipps

Neue Serien: Ein sorgsam sezierter Skandal

Das Gerichtsdrama „Anatomie eines Skandals“ rollt einen #Metoo-Fall unter britischen Spitzenpolitikern auf. Ebenfalls neu: das surreale Frauen-Panorama „Roar“, das Teenager-Drama „Generation“ und eine erschreckende Doku.

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Anatomy of a Scandal

Politisches Gerichtsdrama
Zu sehen auf Netflix

Dass Schriftstellerin Sarah Vaughan, die die Buchvorlage lieferte, früher als Politikjournalistin für den „Guardian“ arbeitete, merkt man auch dieser mit u. a. Sienna Miller, Rupert Friend und Michelle Dockery topbesetzten Serie an. In „Anatomy of a Scandal“ wird ein Parlamentarier und Familienvater von seiner ehemaligen Geliebten der Vergewaltigung bezichtigt. Es ist ein politisches Gerichtsdrama über ausbeuterische Machtverhältnisse, das die Rolle der Frauen in diesem Spiel aus verschiedensten Perspektiven hinterfragt.

Dass er seiner Frau, Sophie, untreu war, spielen die mächtigen Herren, in deren Dunstkreis sich James Whitehouse bewegt, zunächst herunter: „Sex muss eine Karriere heute nicht zerstören. Du könntest sogar ältere Wähler gewinnen – die haben nichts gegen ein Techtelmechtel mit einem jungen Fohlen.“ Autsch! Aber um die Wortwahl geht es schon bald nicht mehr.

Sophie, die das (etwas langatmige) Gerichtsverfahren als Zuschauerin verfolgt, plagen zunehmend Zweifel: Was, wenn er es doch getan hat? Aber warum hat sie das Spiel bis dahin mitgespielt? Peu à peu kommt durch kunstvoll eingebaute Rückblenden die Wahrheit ans Licht. Und die böte noch genug Stoff für eine zweite Staffel. (i.w.)

„Generation“, „Starstruck“ und „Everything's Gonna Be Okay"

Ein Jugenddrama, ein BBC-Hit und mehr: Die neuen Serien auf RTL+

Die Erwartungen der Seher zu unterlaufen, das gelingt dem Jugenddrama „Generation“, das vom US-Regisseur Daniel Barnz gemeinsam mit seiner Teenager-Tochter, Zelda, geschrieben und von den „Girls“-Macherinnen Lena Dunham und Jenni Konner produziert wurde, gleich zu Beginn gut. Da meint man erst, einen weiteren Aufguss der abgründigen Generation-Z-Serie „Euphoria“ mit ihren selbstzerstörerischen, Drogen verschlingenden, Intrigen spinnenden Oberstufenschülern vor sich zu haben – und stellt dann fest: Die sind ja eh alle recht lieb zueinander! Klar: Ein bisserl verloren sind diese Figuren, immer auf der Suche nach ihrer (sexuellen) Identität und so woke, dass sie ihre Lehrer nerven, indem sie Mathe-Aufgaben nach Diversitätskriterien durchleuchten. „Generation“ geht ihren inneren Konflikten und zwischenmenschlichen Verbindungen nach – und wirkt dabei überaus nett, mitunter bemüht zeitgeistig, aber nicht bahnbrechend.

Das gilt für einige neue Serien auf RTL+. Der Dienst hat international fleißig eingekauft: Neben „Generation“ (von HBO Max) erschien da etwa gerade „Everything's Gonna Be Okay“, die zweite Serie des australischen Komikers Josh Thomas nach „Please Like Me“, und der BBC-Hit „Starstruck“ über eine verpeilte junge Frau (Showrunnerin Rose Matafeo), die ungeahnterweise mit einem Filmstar im Bett landet. Schwer auszuhalten ist bei allen Serien die lieblose deutsche Synchronisierung: Die Originalversion gibt's nur im teureren Abo. (kanu)

Jimmy Savile: A British Horror Story

Eine Doku, die fassungslos macht
Zu sehen auf Netflix

Hätte jemand eine Geschichte wie die von Jimmy Savile erfunden, man würde sie völlig unglaubwürdig nennen. Ein Mann, den die Nation liebte, der witzig war und charmant, der als großer Wohltäter ganze Kliniken rettete, aber in Wahrheit ein Monster war? Vor elf Jahren starb der BBC-Moderator, erst nach seinem Tod kamen rund 500 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern an die Öffentlichkeit.

Die zweiteilige Netflix-Doku „Jimmy Savile: A British Horror Story“ zeigt, wie ihm als Moderator die Herzen zuflogen und wie er mit seine Sendung „Jim'll Fix It“ Generationen von Kindern prägte. Man sieht, wie er nach der Sendung die kleinen Gäste in sein Auto bugsiert, und hat dabei im Hinterkopf, welche Verbrechen er beging. Opfer und Zeitzeugen kommen zu Wort, vor allem aber geht es darum, wie dieser Mann über 40 Jahre lang ungeschoren davonkam: Man wollte es nicht sehen. (rovi)

Roar

Feministische Anthologie
Zu sehen auf Apple TV+

Der Anspruch der Anthologieserie „Roar“ ist nicht gerade bescheiden: Sie will ein Porträt dessen sein, was es bedeutet, heute eine Frau zu sein. Die acht Folgen sind metaphorisch aufgeladen: Da ist etwa eine Frau, die alte Familienfotos isst, während sie ihre demente Mutter zu sich übersiedelt. Oder die schwarze Autorin, die unsichtbar wird, während weiße Männer ihre Pläne zur Verfilmung ihres Romans präsentieren. Man begegnet einer Frau, deren Tageswerk darin besteht, auf einem mit Stuckmarmor verzierten Regal zu sitzen und damit die Augen ihres Liebsten zu erfreuen. Und eine junge Ärztin unterhält sich gut mit einer Ente.

Surreal sind die meisten dieser Streiflichter, die von den Showrunnerinnen der erfolgreichen Frauenwrestling-Serie „Glow“ stammen. Und jedenfalls prominent besetzt: Nicole Kidman (sie ist auch Co-Produzentin) spielt ebenso mit wie Cynthia Erivo („Genius: Aretha“) oder Merritt Wever („Unbelievable“). Darüber, wie passend der Titel „Roar“ (zu Deutsch: „Brüllen“) für die meist recht leisen Protagonistinnen ist, lässt sich wohl trefflich streiten. Und auch darüber, wie sehr sie das Spektrum dessen abdecken, was Frausein bedeutet. (rovi)

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