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Mein Samstag

Osterei-Forscherin

Haben Sie sich je gefragt, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wenn Sie ein anderes Studium angefangen, einen anderen Beruf erlernt hätten?

Ich habe damals an der Uni einfach das inskribiert, was mich in der Schule am meisten interessiert hat (Englisch), und sehr spontan noch ein anderes Studium („Bühne, Film und andere Medien“), von dem mir irgendjemand beim Anstellen vor der Studienabteilung erzählt hat. Wer weiß, was ich sonst beruflich machen würde. Es gibt ja so viele ungewöhnliche Professionen. Gelsenexperte. Paradeiserkaiser. Erholungsberaterin. Abendbrotforscherin.

Eine solche Abendbrotforscherin ist mir neulich nämlich in einem Artikel untergekommen, und zwar – Sie haben es sich ob des Begriffs Abendbrot schon gedacht – in einem deutschen Medium. Bei uns sagt man natürlich Abendessen, aber ich bin ein Abendbrotkind. Meine deutsche Oma hat mich immer nachmittags (Deutsche essen ja absonderlich früh) mit einem „Es gibt Abendbrot“ vom Spielen hereingerufen, die anderen Kinder haben über den Ausdruck immer sehr gelacht. Jedenfalls sieht der Artikel das Abendbrot – also Brot, Wurst, Käse usw. – und damit einen Teil der deutschen Esskultur als gefährdet, daher der aufgeregte Titel: „Sterben die deutschen Schnittchen aus?“

Tun sie nicht, wie die Abendbrotforscherin versichert. Aber tatsächlich schätzen immer mehr Menschen abends eine warme Mahlzeit. Ich würde die durchaus auch schätzen (wenn ich sie nicht selbst kochen müsste), bleibe aber eine enge Freundin des Abendbrots. Das Kind nimmt an jenen Tagen zur Kenntnis, dass es „nur kalte Jause“ gibt. Weshalb es auch – und jetzt gelingt mir ein eleganter Übergang zum Osterfest, Sie werden es gleich sehen – die Osterjause nicht ganz so begeistert. Weil: Kaltes Essen auch tagsüber, und das tagelang, bis Pinze, Eier und Kren aufgegessen sind. Für mich ist die Osterjause das großartigste Feiertagsessen. Vielleicht auch, weil man nicht warm kochen muss. Ist aber nur eine Vermutung. Dazu müsste man eine Ostereier- oder Feiertagsforscherin befragen. In diesem Sinne: Frohe Ostern!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com