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Krieg

Untergang der Moskwa: Russland sinnt auf Rache

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Der Stolz der russischen Schwarzmeerflotte liegt auf dem Meeresboden: Die Zerstörung des Raketenkreuzers Moskwa ist ein historisches Ereignis und die Symbolkraft enorm. Möglicherweise als Antwort darauf nahm Russland jetzt wieder die Hauptstadt Kiew ins Visier.

Kiew. Sie war der Stolz der Schwarzmeerflotte, ihre Visitenkarte, ihr Flaggschiff. Jetzt schlummert der 12.500 Tonnen schwere Koloss am Grund des Schwarzen Meers. Der Untergang des russischen Raketenkreuzers Moskwa hat am Freitag eine Reihe an Reaktionen ausgelöst: Russland sann auf Rache. Die Ukraine spottete. Experten staunten und zogen historische Vergleiche.

Das letzte Mal wurde demnach vor vier Jahrzehnten ein Schiff vergleichbarer Größe im Kampf versenkt: die General Belgrano im Falkland-Krieg (1982).

 

„Wo ist Moskau? Gesunken“

Das seltene Ereignis hob hörbar die ukrainische Moral. Der Feind wurde mit Spott übergossen „Wo ist Moskau? Gesunken!“, witzelte der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch. Verteidigungsminister Olexij Resnikow twitterte, die Ukraine habe nun eine neue Attraktion für Taucher im Schwarzen Meer zu bieten. Auch er selbst wolle zu dem Schiffswrack hinunterschwimmen – „nach unserem Sieg im Krieg“.

Der Untergang sei ein Sinnbild für die bisherige russische Kriegsführung, analysierte der Experte für das russische Militär, Michael Kofman, und er sei ein bedeutender Verlust für die russische Marine. Russland räumte den Untergang der Moskwa ein, verbreitete dazu aber eine alternative Erzählung. Von einem ukrainischen Raketenbeschuss war darin keine Rede. Ein Feuer in der Munitionsfabrik der Moskwa soll eine Explosion ausgelöst haben. Das schwer beschädigte Schiff sei abgeschleppt worden. Aber bei stürmischer See gesunken. Nicht nur die Wetterdaten nähren Zweifel an Moskaus Version.

Unklarheit herrschte auch über die menschlichen Verluste. Laut Moskau wurden alle rund 500 Besatzungsmitglieder gerettet. Das US-Verteidigungsministerium hält es indes für „sehr wahrscheinlich“, dass es Tote und Verletzte gab.

 

Angriffe auf Kiew

Russland sann offenbar auf Rache. In der Hauptstadt Kiew waren Explosionen zu hören, und zwar laut Nachrichtenmeldungen so laut wie seit dem Abzug der russischen Truppen nicht mehr. Musste die Hauptstadt für das Versenken der Moskwa büßen? Waren es Vergeltungsschläge? Einige Beobachter vermuten es. Denn Ziel war eine Raketenfabrik im Großraum Kiew. Zu ihren Erzeugnissen zählen Anti-Schiff-Raketen und zwar jenes Typs Neptun, der die Moskwa außer Gefecht gesetzt haben soll.

Russland behauptete indes, der Raketenbeschuss sei die Antwort auf angebliche ukrainische Angriffe auf das russische Belgorod. Moskau kündigte den weiteren Beschuss Kiews an.

Das Augenmerk der Militärexperten richtete sich indes auch in den Osten und Südosten, Russland will die seit eineinhalb Monaten belagerte Hafenstadt Mariupol zur Gänze erobern. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums vom Freitag setzte es dabei Langstreckenbomber ein. Es wäre eine Premiere in diesem Krieg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2022)