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Literatur

Man kann der Zukunft nicht entkommen

Philipp Böhm
Philipp BöhmNane Diehl
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Philipp Böhm entwirft in „Supermilch“ das Szenario einer Welt, die fast so ist wie die unsere. Das ist unheimlich.

Da sitzt er also wieder einmal in seinem Keller, zwischen Pfandflaschen und schmutziger Wäsche, die man allerdings in seinen Videos nicht sieht: „King“, der Elvis-Imitator, der seinen Followern gerne erklärt, wie man eine Heizung entlüftet oder Lachs brät. Er dreht eine Folge, es wird seine allerletzte sein. Warum? Weil er die Welt nicht mehr versteht. Diese Welt, in der seine Tochter ihn unverwandt ansieht und ihm dann ein Foto zeigt, auf dem einer Statue hellblaue und weiße Pixeltränen über die Wangen rinnen. Diese Welt, in der Videos von dürren, „Großer-böser-Wolf“-Masken tragenden Burschen Furore machen, wo Marschkapellen rückwärts spielen – und wenn King vor die Tür tritt, raubt ihm das wütende Gesurre der Drohnen fast den Verstand. Was ist passiert? „Du stehst vor deiner Webcam, der weiße Anzug passt dir nicht mehr, die Tage sind plötzlich kürzer geworden, und wenn du zurückblickst, siehst du nur noch Löcher.“

Es ist eine wunderbare, fast melancholische Erzählung über das Älterwerden, die Philipp Böhm, 1988 geboren und in Berlin zu Hause, da hingetupft hat, so zart verrutscht – und doch brutal, denn der „King“, der hier klagt, lebt in einer Zukunft, die brutal ist und dabei unserer Gegenwart sehr ähnlich sieht.