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Unterwegs

Auf dem Weg nach Hause

Die österliche Heimkehr ist wieder wie früher: ein Gedränge und Geschiebe

Es gibt trotz aller Säkularisierung wohl wenig, das die Weltbevölkerung so auf Trab hält, wie religiöse Feiertage. Gut, das chinesische Neujahr zählt wohl nicht richtig. Aber die Menschenmassen, die von Weihnachten, Ostern, dem muslimischen Hadsch oder den unzähligen hinduistischen Götterverehrungsfesten in Bewegung gesetzt werden, ruinieren rund um den Globus zuverlässig gute Vorsätze für die persönliche Klimabilanz.

Auch die Pandemie konnte in den vergangenen zwei Jahren nur wenige von der religiös-familiären Heimkehr abhalten. Trotzdem war dieses Mal etwas anders. Schon der Taxifahrer sagte, die Maske müsse man nicht unbedingt aufsetzen, ist doch alles wie früher jetzt. Dann, in der Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle kuschelte sich der Hintermann wieder ganz nahe heran, als würde dadurch irgendwo irgendetwas schneller gehen. Beim Einräumen des Gepäcks in die vollkommen überfüllten Stauräume landen fremde Ellbögen im Rücken. Wenn es irgendwo enger wird, tatschen wieder die Hände auf Schultern, es wird angetippt, herumgedrückt und mit Tuchfühlung aneinander vorbeigeschoben.

Die Sorge, die Pandemie hätte sich dauerhaft auf menschliche Verhaltensweisen ausgewirkt, wirkte zumindest auf der diesjährigen Osterheimreise unbegründet. Alles wie früher – die vollen Sitzreihen, das Gedrängel und Geschiebe. Es ist so etwas wie die Auferstehung des alten Reisewahnsinns.

Es ist schön, wenn sich nach zwei Jahren der Pandemie wieder mehr Menschen aufmachen. Dass sie sich dafür bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit furchtbar nah sein müssen, ließe sich aber überdenken.

christoph.zotter@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2022)