Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Hintergrund

Neonazis oder Nationalhelden: Was ist das ukrainische Asow-Regiment?

Im Abzeichen des Azow-Bataillons ist eine blaue Wolfsangel zu sehen - ein historisch vorbelastetes Symbol.
Im Abzeichen des Azow-Bataillons ist eine blaue Wolfsangel zu sehen - ein historisch vorbelastetes Symbol.IMAGO/SNA
  • Drucken

Das Regiment ist ein paramilitärisches Freiwilligenbataillon und ist nicht unumstritten. Der Verband gilt bzw. galt als ultranationalistisch und ist so Teil der russischen Kriegs-Propaganda, warum die Ukraine „entnazifiziert“ werden müsse.

Die ukrainische Stadt Mariupol am Asowschen Meer ist seit dem 1. März vollständig von russischen Truppen eingeschlossen und beinahe komplett erobert. Die letzten Kämpfer haben sich im Stahlwerk Asovstal zusammengefunden, wo laut ukrainischen Berichten auch Hunderte Zivilisten Zuflucht gefunden haben sollen. Gegen die russischen Soldaten kämpfen vor allem die Mitglieder des sogenannten Asow-Regiments.

Für die einen sind sie Neonazis, für die anderen ukrainische Nationalhelden. So ist das Asow-Regiments ins Zentrum des Informationskrieges zwischen Moskau und Kiew gerückt. Während Russland die Kampftruppe als "faschistisch" brandmarkt, werden die Mitglieder des Regiments seit Beginn der russischen Ukraine-Invasion von vielen Ukrainern gefeiert.

Paramilitärisches Freiwilligenbataillon

Fest steht, das Asow-Regiment ist eines von mehreren paramilitärischen Freiwilligenbataillonen, die im Ukraine-Konflikt gegen russische Truppen und prorussische Separatisten im Osten des Landes kämpfen. Symbol des Regiments Asow ist die Wolfsangel, welche unter anderem von der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich" der Waffen-SS als Abzeichen verwendet wurde.

Inzwischen wurde das Asow-Regiment mit seinen aktuell 2000 bis 3000 Kämpfern wie andere paramilitärische Verbände in die ukrainische Nationalgarde integriert. Es befindet sich somit unter dem Kommando des ukrainischen Innenministeriums.

Das Bataillon ist tief mit Mariupol verwurzelt. Als Russland zwei Wochen nach Beginn seines Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar eine Geburtsklinik in Mariupol bombardierte, begründete der Kreml dies damit, dass sich Mitglieder des Asow-Regiments "und andere Extremisten" in dem Gebäude verschanzt hätten.

Dies passt zur russischen Erzählung, wonach der Angriffskrieg in der Ukraine der "Entnazifizierung" des Nachbarlandes diene - eine Darstellung, die Kiew und der Westen als grotesk bezeichnen. So steht an der Staatsspitze der Ukraine nicht nur der demokratisch gewählte Jude Wolodymyr Selenskij - auch in der übrigen politischen Landschaft der Ukraine spielt die äußerste Rechte heute nur noch eine marginale Rolle. So konnte die Partei "National Corps" bei den Parlamentswahlen 2019 keine großen Erfolge verzeichnen: Sie kam auf gut zwei Prozent der Stimmen, ist damit an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und nicht im Parlament vertreten.

Was bleibt vom „rechtsextremen Hintergrund"?

Doch ganz freisprechen von Sympathien für die Nationalsozialisten kann man das Asow-Regiment nicht. Zum Zeitpunkt seiner Gründung 2014 habe das Bataillon tatsächlich einen "rechtsextremen Hintergrund" gehabt, sagt der Experte Andreas Umland vom Stockholm-Zentrum für Osteuropastudien der Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP). Mittlerweile habe sich das Regiment aber "entideologisiert" und zu einer normalen Kampfeinheit entwickelt. Erst 2015 wurde etwa die in weiß dargestellte „Schwarze Sonne“ aus dem Abzeichen des Regiments entfernt, die ein international genutztes Erkennungsmerkmal in der Neonazi-Szene darstellt.

Viele Rekruten schlössen sich der Einheit nicht mehr aus ideologischen Gründen, sondern wegen seines Rufs an, "besonders hart" zu kämpfen, sagt Umland. Auch das nach wie vor vom Asow-Regiment verwendete Wolfsangel-Symbol habe in der Ukraine keine faschistische "Konnotation" mehr.

Das Asow-Regiment unterscheide sich mittlerweile kaum noch von anderen ukrainischen Kampfeinheiten, sagt Wjatscheslaw Lichatschew von der in Kiew ansässigen Menschenrechtsorganisation Zmina der Nachrichtenagentur AFP. Allerdings verfüge das Regiment über "bessere PR" und ziehe zudem besonders viele Kämpfer an. Es könne sich daher "die Besten" aussuchen.

(APA/AFP/dpa)