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Die Ich-Pleite

Bio für die Tonne

Carolina Frank
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Was das Konsumieren anbelangt, ist man mit veganer Biokost auf der sicheren Seite. Und dass das seinen Preis hat, unterschreibe ich hundertprozentig.

Der Klimawandel ist so schnell zur Klimakatastrophe geworden, dass ich immer noch ein paar CO₂-Einsparungen hinterherhinke. Vor ein paar Jahren bin ich mir noch als Umweltschützerin vorgekommen, wenn ich mit der Bahn in den Urlaub gefahren bin. Jetzt müsste man sich eigentlich überlegen, ob das Urlaubsortklima eine weitere Touristin, sprich: CO₂Emittentin, überhaupt noch verkraften kann. Egal, wie umweltfreundlich sie anreist. Aber man kann es sich auch zuhause gemütlich machen. Was das Konsumieren anbelangt, ist man mit veganer Biokost auf der sicheren Seite. Und dass das seinen Preis hat, unterschreibe ich hundertprozentig.

Schließlich soll der Biobauer ordentlich dafür bezahlt werden, dass er mithilft, den Planeten zu retten. Dafür bekommen wir ja auch die bessere Qualität. Biolebensmittel enthalten mehr Vitamin C, mehr Phosphor, mehr Eisen, mehr Magnesium und so weiter. Das belegen Studien. Die Biodiversität wird gefördert. Biogemüse ist in jeder Hinsicht besser. Früher hätte ich auch noch argumentiert: Außerdem schmeckt es besser. Aber nach meinem letzten Einkauf im Bioladen würde ich sagen: Das stimmt nicht immer. Die Biococktailtomaten schmecken wie unreife Stachelbeeren. Bei den Kartoffeln sieht man die Knollen vor lauter Augen nicht mehr.

Die Zucchini sind noch bitterer als der Radicchio. Den man allerdings wirklich nicht essen kann. Aber ich finde, auf so etwas soll man nicht herumreiten. Angesichts der herannahenden Klimakatastrophe kann ich ruhig einmal auf Genießbarkeit verzichten. Ich bin einfach froh, dass mein Essen ohne chemisch-synthetischen Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel und Klärschlamm produziert wurde. Denn so kann ich es ohne schlechtes Gewissen in die Biotonne werfen.

("Die Presse Schaufenster" vom 15.4.2022)