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Serie

Japaner, die auf Bayrisch schimpfen

Es sei "eine einfache und gleichzeitig völlig wahnsinnige Idee", eine japanische Serie in Dialekt zu synchronisieren, findet Michael Ostrowski. Er spricht Vronis Vater Otto.Servus TV / Bene Müller
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„Die Vroni aus Kawasaki“: Eine Japan-Soap im Dialekt. Schräg und teilweise bemüht komisch. Auf Servus-TV.

Die Idee entstand auf Reisen. Der bayerische Schauspieler Martin Polt saß in einer Hotelbar in Japan, beobachtete den Bildschirm und verstand kein Wort. Da lief die morgendliche Daily Soap „Hanbun, Aoi“ („Half Blue Sky“), die von der quirligen Suzume und dem schüchternen Ritsu erzählt, die am selben Tag im selben Krankenhaus einer Kleinstadt in Gifu auf die Welt kommen und Freunde werden. Seit 1961 laufen Morgen-Serien wie diese (Asadora genannt) täglich im öffentlichen Sender NHK. Mit ihren nur 15-minütigen Episoden sind sie kurzweilig, rasch zu konsumieren – und offenbar ein Erfolg: „Hanbun, Aoi“, das von April bis September 2018 ausgestrahlt wurde, war bereits Asadora Nummer 98. Hauptdarstellerin Mei Nagano musste sich beim Casting gegen 2365 Konkurrentinnen durchsetzen.

Was, dachte sich also Polt an der Hotelbar, wenn man Suzume, Ritsu und die Dorfgemeinde nicht Japanisch, sondern Bayrisch, Schwäbisch und Wienerisch reden ließe? Wenn man „Hanbun, Aoi“ im Dialekt synchronisieren würde – und die Familien von Suzume und Ritsu statt Hireno und Hagio eben Huber und Maier heißen würden? Es wäre, besser gesagt: Es ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Dialektversion – „Die Vroni aus Kawasaki“ – entwickelt aber gerade deshalb einen schrägen, wenn auch seichten Humor. Ist ja auch eine Soap.

Ein pummeliger Bub mit Fistelstimme

Zwar wurden Dialoge und Handlung im Grunde beibehalten, weil aber Formulierungen auf Japanisch oft länger sind, hatte Dialogschreiber Paul Sedlmeir („Hubert und Staller“) Möglichkeiten zur Improvisation. Suzume kommentiert das Geschehen, das mittels Zeitsprüngen erzählt wird, schon aus dem Mutterleib auf Bayrisch – und bekommt den Namen „Veronika“, sprich: Vroni, weil gerade der Lenz Einzug hält. Ihr Papa freut sich auf Wienerisch über „das Bauxerl“, fliegt aber aus dem Kreißsaal, weil er kein Blut sehen kann: „I mog jo ned amoi a Blunzngröstl.“

Im Klassenzimmer kriegt sich Vroni mit dem Beni in die Haare, weil er sagt, sie rede „an Schmarrn“. Paul Sedlmeir leiht dem pummeligen Buben eine Fistelstimme, was bemüht komisch wirkt. Es sprechen u. a. der Kabarettist Gerhard Polt (er ist der Vater von Martin Polt), Gisela Schneeberger, Michael Ostrowski, Christian Tramitz und – kein Schmäh – Servus-TV-Chef Ferdinand Wegscheider.

„Vroni aus Kawasaki“ läuft seit 19. 4. auf der Streamingplattform Servus TV On, ab 14. 5. auf Servus TV.