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Geldpolitik

Chinas Zentralbank rührt Zinsen überraschend nicht an

APA/AFP/STR
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Experten erwarteten Zinssenkung wegen Unsicherheiten. Sie ist ausgeblieben.

Trotz deutlicher Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung durch die Coronawelle und den Ukraine-Krieg hat die chinesische Zentralbank ihre Leitzinsen überraschend nicht gesenkt. Der Zins für einjährige Kredite wurde bei 3,70 Prozent gehalten, der für fünfjährige Darlehen bei 4,60 Prozent, wie die Notenbank am Mittwoch in Peking mitteilte.

Befragte Experten hatten wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit einer Zinssenkung gerechnet - auch wegen der strikten Null-Covid-Politik, wegen der bei Corona-Ausbrüchen immer wieder Millionen-Metropolen wie aktuell Shanghai in einen Lockdown geschickt werden und so Handel, Dienstleister und Industrie ausgebremst werden.

Dabei hatten die Währungshüter Ende vergangener Woche erst ihre Geldpolitik gelockert: Sie verringerten den Betrag, den Banken als Mindestreserve halten müssen, um 530 Milliarden Yuan (rund 77 Milliarden Euro). Je geringer dieser Satz ist, umso mehr Kredite können die Geldinstitute vergeben. Dies geschah angesichts deutlicher Bremsspuren in der Konjunktur: So sank der Einzelhandelsumsatz im März mit minus 3,5 Prozent doppelt so stark wie erwartet, während die Arbeitslosenquote mit 5,8 Prozent so hoch ausfiel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Hausverkäufe brachen im März sogar um mehr als ein Viertel ein. Das war der größte Rückgang seit dem Beginn der Coronapandemie Anfang 2020, was auch auf die Krise um den hoch verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande zurückgeht.

Ökonomen halten für möglich, dass die Zentralbank wegen des zuletzt robusten Kreditwachstums nicht an den Leitzinsen gedreht hat. Unabhängig davon wiesen einige Marktteilnehmer darauf hin, dass das jüngste robuste Kreditwachstum auch ein Grund dafür sein könnte, dass die Banken die Benchmark für die Kreditvergabe nicht senkten. "Das deutet darauf, dass die Kreditnachfrage in den Augen der Banken jetzt nicht so schlecht ist", sagte der China-Stratege beim Finanzhaus ANZ, Xing Zhaopeng. "Wir brauchen möglicherweise Geduld, um mehr Kreditdaten zu beobachten." Er geht davon aus, dass im Jahresverlauf noch Zinssenkungen folgen könnten. Marco Sun von der japanischen Bank MUFG rechnet sogar noch im Laufe des Frühjahrs mit einem solchen Schritt.

Die chinesische Regierung hält bisher ungeachtet des Kriegs in der Ukraine - der Europa als wichtigsten chinesischen Absatzmarkt wirtschaftlich hart trifft - an ihrem Wachstumsziel fest. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll demnach heuer um rund 5,5 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr hatte es noch zu einem Plus von 8,1 Prozent gereicht, da der Exportweltmeister von der Erholung der globalen Konjunktur von der Coronakrise profitiert hatte. Niedrigere Zinsen können Konsum und Investitionen anschieben und so die Konjunktur beflügeln.

(APA/Reuters)