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Flugsicherung

Digitales Verkehrsmanagement für Drohnen soll 2023 starten

APA/dpa/Julian Stratenschulte
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Austro Control und Frequentis setzen auf ein System, das bisherige
telefonische Freigaben von Drohnen-Flügen ablösen soll.

Die Zahl der Drohnen im österreichischen Luftraum steigt weiter an. In kontrollierten Lufträumen müssen Drohnenflüge durch die Flugsicherung Austro Control freigegeben werden. Bisher erfolgt dies telefonisch bei der Flugsicherung. 2023 soll ein digitales Verkehrsmanagement-System für Drohnen starten - von Austro Control und Frequentis. 5,3 Millionen Euro werden dafür in den nächsten fünf Jahren investiert, sagte Austro Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl am Mittwoch.

Wer in Österreich mit einer Drohne in der Kategorie "open" mit einem Gewicht ab 250 Gramm fliegen will, braucht einen Drohnenführerschein. Dafür müssen online ein Kurs und ein Test absolviert werden. Rund 45.000 Drohnenführerscheine wurden bisher ausgestellt. Die unbemannten Luftfahrzeuge (uLFZ) müssen außerdem registriert werden, 30.000 Mal war das laut Austro Control bisher der Fall.

Das Unmanned Aircraft System Traffic Management (UTM) soll die Arbeit für Drohnenpilotinnen und -piloten sowie für die Fluglotsinnen und Fluglotsen der Austro Control vereinfachen. "Die Drohnenflüge werden mehr und komplizierter", meinte Hackl bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Frequentis in Wien. Schon jetzt gebe es an "starken Tagen" hundert (rpt. hundert) Drohnenflüge in kontrollierten Lufträumen - also rund um Flughäfen -, die freigegeben werden müssen.

Hohe Strafen bei Verstößen

Es handelt sich bei dem neuen System um kein Radarsystem, sondern eines, das auf freiwillige Informationen der Pilotinnen und Piloten aufbaut, wurde betont. Wie viele Menschen ohne Registrierung oder Führerschein Drohnen steigen lassen, dazu gibt es keine Zahlen. Bei Verstößen drohen jedenfalls Strafen bis 22.000 Euro. Die Anmeldung liegt in der Eigenverantwortung des Piloten, sagte Hackl. Pro Jahr gebe es etwa zehn bis 20 Drohnensichtungen rund um Flughäfen.

Im Jahr 2014 bekam Österreich das erste Drohnen-Gesetz, seit Ende 2020 das europäische Drohnenregulativ. Die bisherige Regelung ist für "einzelne Flüge", wie sie im Jahr 2014 vorkamen, praktikabel, "mit der steigenden Anzahl an Flügen brauchen wir neue Systeme und Verfahren", sagte Philipp Piber von der Austro Control. Bis das neue System eingesetzt wird, erfolgt die Freigabe von Flügen weiterhin telefonisch. "Der Drohnenpilot ruft dafür bei der Austro Control an und gibt die Daten durch", erläuterte Piber. Diese werden aufgenommen und an den für den jeweiligen Luftraum zuständigen Fluglotsen weitergegeben. "Die Zustimmung erfolgt dann telefonisch." Mit der geplanten App ist es dann "sicher und einfach, einen Flug zu managen", damit sei die "gute und sichere Ko-Existenz von bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen" möglich, meinte Piber. "Mit dem neuen System tauschen wir Telefon, Notizblock und Kugelschreiber gegen ein Tablet", konstatierte der Geschäftsführer.

In Norwegen ist bereits ein Drohnenmanagementsystem des auf Informations- und Kommunikationslösungen für sicherheitskritische Anwendungsfelder spezialisierten Unternehmens Frequentis im Einsatz, berichtete Vorstandsvorsitzender Norbert Haslacher. Die Prognosen gehen soweit, dass der die Drohnen in fünf oder zehn Jahren der Hauptnutzer des geregelten Luftraums sein wird und vielleicht sogar Hubschrauber überholen wird, sagte Haslacher. "Umso wichtiger ist es, dass die Automatisierung stattfinden kann." Die Zusammenarbeit mit der Austro Control ist das Ergebnis eines umfangreichen öffentlichen Vergabeverfahrens, an dem mehrere führende Unternehmen aus der Technologie-Branche seit Herbst des vergangenen Jahres teilgenommen haben, hieß es am Mittwoch.

Für Blaulicht-Organisationen geeignet

In das neue UTM-Drohnen-Verkehrsmanagement-System können auch Blaulicht-Organisationen eingebunden werden. Per Knopfdruck kann dann mit einem oder allen Piloten in einem Luftraum kommuniziert werden, etwa wenn Hubschrauber von Blaulichtorganisationen starten müssen. Dann können "alle Drohnenpiloten aufgefordert werden, sofort zu landen", erläuterte Austro Control-Geschäftsführer Piber. Die Fluglotsen müssen dafür ausgebildet werden, im Herbst will die Austro Control mit einem Schulungsprogramm starten. Anfang 2023 soll mit einer Testphase gestartet werden.

Mit der cloudbasierten UTM-Lösung von Frequentis beruht die künftige Kommunikation zwischen Drohnenpilotinnen und -piloten und Austro Control auf Digitalisierung und Automatisierung. In der ersten Stufe des gemeinsamen Projekts stehen die digitale Übermittlung von Drohnen-Flugplänen und die Freigabe von Drohnenflügen in kontrollierten Lufträumen durch die Flugsicherung auf dem Plan. In der Folge werden, im Einklang mit den gerade in Umsetzung befindlichen EU-Verordnungen, die Identifikation von Drohnen und die Warnung vor gesperrten Lufträumen im System aktiviert.

(APA)