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Paläontologie

Es ist ein Tintenfischknorpel!

Das Modell zeigt Knorpel und Armhäkchen des fossilen Tintenfisches.
Das Modell zeigt Knorpel und Armhäkchen des fossilen Tintenfisches.(c) A. Lukeneder
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Ein Forschungsteam zeigte, dass es sich bei rätselhaften Funden aus Niederösterreich um Überreste von Tintenfischen handelt, die vor 233 Mio. Jahren lebten.

„Was ist denn das?“, mag sich das Forschungsteam gedacht haben, als es in einem kleinen Graben zwischen Gaming und Lunz am See (NÖ) auf die schwarzen, rund drei Zentimeter großen, harten Strukturen stieß. Mittels Computertomografie (CT) und moderner Materialanalysen gelang es schließlich, diese als 233 Mio. Jahre alte Knorpel von Tintenfischen zu identifizieren – eine Weltpremiere. Ihre Erkenntnisse präsentierten die Paläontologen Petra und Alexander Lukeneder nun im Fachmagazin Plos One.

Die Tintenfische der späten Trias bewohnten marine Bereiche des damaligen Reiflinger Meeres, eines Seitenasts des Tethys-Ozeans. In dieser Phase der Erdgeschichte kam es zu einer weltweiten Krise mit Massenaussterben, die über zwei Millionen Jahre dauerte. Diese Krise hatte auch Auswirkungen auf die Sedimente und Ablagerungen der Meeresböden. Dort bildeten sich sauerstoffarme Bereiche aus. Im lebensfeindlichen Schlamm blieben selbst feinste Details der Fossilien erhalten und machten den Polzberg in Niederösterreich zu einer einzigartigen Fundstelle.

 

Unzählige Gänge im Inneren

In der vom Land Niederösterreich und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften geförderten Forschung blickte das Paläontologen-Team mittels CT-Aufnahmen ins Innere der Gebilde. So entstanden digitale 3-D-Modelle der Funde, die von unzähligen, sich verzweigenden Gängen durchzogen waren. Zusätzlich wurde die chemische Zusammensetzung mithilfe von Materialanalysen und Rasterelektronen-Mikroskop bestimmt. Das Ergebnis: Die Objekte bestehen aus reinem Kohlenstoff. Um sie herum sind Hunderte Fanghäkchen von Tintenfisch-Armen eingebettet. Und auch Schulpe, das Innenskelett der Tintenfische, fanden sich in der Nähe.

Durch den Vergleich der digital erstellten 3-D-Strukturen mit modernen Tiergruppen konnten die Forscher die Objekte eindeutig als fossile Tintenfischknorpel identifizieren und der Tintenfischart Phragmoteuthis bisinuata zuordnen – einem ausgestorbenen Verwandten der modernen Tintenfische. Heute lebende Tintenfische bilden sehr ähnliche Knorpel-Strukturen am Kopf aus, die Gehirn und Augenbereich der Tiere stärken.

Aber wie blieben die Knorpel so lang erhalten? Durch geochemische Prozesse reicherte sich im ursprünglich knorpeligen Material allmählich Kohlenstoff an, dieser bewahrte die schwarzen Gebilde vor dem Verfall. (APA/gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2022)