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Die Ich-Pleite

Jo-Jo-Effekt bei der Partnersuche

Carolina Frank
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Man verliebt sich, trennt sich, verliebt sich wieder, trennt sich wieder. Und am Ende ist man unglücklicher als vorher.

Im Frühling erwachen die Frühlingsgefühle. Egal, ob man fünf oder fünfundneunzig ist – alle denken wir nur an das eine. Und wie wir es bekommen können. Nur in den Strategien unterscheiden wir uns. Am einen Ende versuchen wir es mit einem angenagten Biokeks für den Kindergartenkollegen, am anderen Ende mit einem angejahrten Kompliment für die 24-Stunden-Pflegerin. Und in der Zeit dazwischen mühen wir uns mit Diäten ab. Im Internet findet man so viele Einträge zu Basenfasten, Heil­fasten oder Intervallfasten, dass man meinen könnte, die „Fastenzeit“ ist eine Erfindung der Beautybranche.

Diäten gibt es mit fast allem, was gesund klingt. Auch mit Dingen, die weniger gesund klingen. Aber ich habe keine gefunden, bei der man weiterhin sein Glas Rotwein am Abend trinken könnte. Oder zum Frühstück ein Mandelcroissant erlaubt wäre. Wenn man in absehbarer Zeit ein paar Kilo leichter werden will, kann man sich nur aussuchen, ob man lieber hungrig ins Bett geht oder hungrig in die Arbeit. Am schnellsten nimmt man ab, wenn man den ganzen Tag über hungrig ist. Aber dann ist auch das Risiko des Jo-Jo-Effekts am größten. Das heißt, man nimmt ab, nimmt zu, nimmt ab, nimmt zu. Und am Ende wiegt man mehr als vorher.

Aber wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Den Jo-Jo-Effekt gibt es auch bei der Partnersuche. Man verliebt sich, trennt sich, verliebt sich wieder, trennt sich wieder. Und am Ende ist man unglücklicher als vorher. Und Unglück ist bekanntlich der Killer Nummer eins für jedes Diätprogramm. Ich weiß nicht, was Aristoteles oder meine ehemalige Philosophielehrerin dazu sagen würden, aber ich behaupte: Wenn man wegen der Partnersuche abnehmen will, hat man die größeren Chancen, wenn man nicht abnimmt. 

("Die Presse Schaufenster" vom 22.4.2022)