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Interview

US-Historiker: „Sie haben Putin auf die Finger gehauen, aber nicht viel mehr“

Die Reaktion auf die Invasion der Krim (im Bild) war extrem schwach, sagt James Sheehan.
Die Reaktion auf die Invasion der Krim (im Bild) war extrem schwach, sagt James Sheehan.(c) imago images/ITAR-TASS (Sergei Malgavko via www.imago-images.de)
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James Sheehan, US-Historiker und Deutschland-Experte, spricht über Merkels wenig durchdachte Energiepolitik, den tief verwurzelten Glauben an die Wirtschaft und Österreichs Neutralität.

DiePresse: Was war Ihr erster Gedanke, als der deutsche Bundeskanzler, Olaf Scholz, die Zeitenwende ausrief und versprach, Deutschland militärisch aufzurüsten sowie vom Einfluss des Kreml zu befreien?

James Sheehan: Ich war erstaunt, die Rede wirkte auf mich dramatisch. Sie erinnerte mich an Kanzler Kohls Zehn-Punkte-Programm (Stufenplan Helmut Kohls zur deutschen Wiedervereinigung aus dem Jahr 1989, Anm.). Das war auch eine überraschende Ankündigung, die nach Beratung mit einer sehr kleinen Gruppe beschlossen wurde.

Und Ihr zweiter Gedanke?

Es wird mehr brauchen als eine Rede, um einen Wandel in der Haltung der Deutschen zu ihrer Sicherheitspolitik zu bewirken. Am klarsten ist das in der Energiebeziehung mit Russland zu sehen. Die Rede von Scholz war ein Bruch damit. Aber es braucht mehr, um diese Bänder zu zerschneiden. Sie sind tief in der politischen Kultur verwurzelt. Die Vorherrschaft der Wirtschaft hat sich als mächtig erwiesen.