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Mein Dienstag

Choose your Fighter

Stanley Tucci und Colin Firth in dem Drama "Supernova".Filmladen
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Du gehst als Passagier durchs Leben oder sitzt am Steuer. Ganz einfach.

Es gibt da diese Szene in dem Film „Supernova“ (2021), der seit vergangener Woche auf Amazon Prime zu sehen ist. Sam (Colin Firth) findet heraus, dass sein Ehemann Tusker (Stanley Tucci) Suizid begehen will, weil er an beginnender Demenz leidet, und ist fassungslos. „Ich gehe jetzt mit dem Hund spazieren. Wenn ich zurück bin, bereite ich uns Essen zu, und wir tun so, als wäre nichts passiert“, sagt er. Aber Tusker meint es ernst. Noch ist er zwar bei relativ klarem Verstand, aber die Krankheit schreitet voran. An manchen Tagen hat er sogar Probleme damit, sein Shirt anzuziehen und zuzuknöpfen.

Sam ist nach all den Jahren – die beiden Mitfünfziger sind schon lange ein Paar und fahren gerade in einem Wohnwagen durch England – untröstlich. „Du kannst mich nicht zurücklassen“, sagt er. „Ich habe ein Recht darauf, dich zu pflegen. Dich zu füttern, zu baden, dir deinen Hintern abzuwischen. Du brauchst mich.“ – „Ja, genau“, erwidert Tusker. „Ja, genau.“ Er meint aber etwas anderes. „Ich will als derjenige in Erinnerung bleiben, der ich bin“, sagt er in einer späteren Szene. „Nicht als derjenige, der ich sein werde. Und wenn du mich wirklich liebst, lässt du mich gehen.“

Es sind Dialoge wie diese, die den Film so kraftvoll machen – denn beiden Standpunkten wird gleich viel Raum zugestanden und Bedeutung beigemessen. Regisseur Harry Macqueen geht es nicht darum, dem Publikum seine eigene Meinung aufzuzwingen, sondern das Dilemma aufzuzeigen, in dem sich ein Paar in dieser Situation nun einmal befindet. Einer Situation, an der Sam und Tusker zu zerbrechen drohen, ehe ein entscheidender Satz fällt. „Diese Krankheit macht einen Passagier aus mir“, sagt Tusker. „Aber ich bin kein Passagier.“ Eine Metapher, die Sam, der den Wohnwagen fährt, erschüttert. Nach einer weiteren Szene, die in Anlehnung an den Titel des Streifens pure Kinomagie ist, schlägt er einen Kompromiss vor.

Wer wissen will, wie es weitergeht, sieht sich den Film an. Und stellt sich der einen zentralen Frage im Leben: Bist du ein Passagier oder sitzt du am Steuer?

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com