Nach seinem Wahlsieg hofft Präsident Emmanuel Macron, dass ihm die Stimmbürger erneut auch eine Mehrheit in der Nationalversammlung geben. Doch die Opposition von links und rechts will es ihm so schwer wie möglich machen.
„Wählt mich zum Premierminister“ forderte am Wahlabend der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon am Fernsehen die Franzosen und Französinnen auf. Da er selber ja als Präsidentschaftskandidat (als Dritter nur knapp hinter Marine Le Pen) ausgeschieden war, klang diese Einladung ziemlich absurd. Sie entspricht einem Wunsch der Opposition, in diesem Fall von Mélenchons linker Bewegung „La France insoumise“ (Unbeugsames Frankreich), sich für die eigene Niederlage zu rächen und nach zwei verlorenen Durchgängen der Präsidentenwahl im Juni die „dritte Runde“, die Wahl der Abgeordneten der Nationalversammlung (Frankreichs „Unterhaus“) zu gewinnen.
In jedem der 577 Wahlkreise gibt es nach dem Mehrheitswahlrecht einen Sitz zu erobern. Wenn diesen niemand auf Anhieb mit mehr als 50 Prozent erringt, kommt es zur Stichwahl, bei der grundsätzlich alle teilnehmen können, die mindestens zehn Prozent der Stimmen bekommen hatten. Sie können sich aber auch mit anderen Kandidaten zusammenschließen oder zugunsten eines Besserplatzierten verzichten. Das komplizierte System lädt zum Feilschen unter den Parteien zwischen den beiden Wahlgängen ein. Dabei haben die politisch eher isolierten Extremisten meistens weniger Chancen.