Die Parkpickerlfront entlang des Gürtels bröckelt. Nach Rudolfsheim-Fünfhaus wollen auch Währing und Döbling untersuchen, unter welchen Bedingungen ein Parkpickerl (teilweise) eingeführt werden kann.
[WIEN] Rudolfsheim-Fünfhaus nimmt als erster Bezirk das Angebot der rot-grünen Koalition an, das Parkpickerl auch jenseits des Gürtels einzuführen. Dazu wird ein rot-grüner Antrag im Bezirk gestellt; mit den Nachbarbezirken gebe es außerdem Gespräche über eine gemeinsame Vorgehensweise, hatte Bezirkschef Gerhard Zatlokak erklärt.
Nun zeigt sich: Mit diesem Vorstoß bröckelt die Front der Parkpickerlgegner: Mit Währing und Döbling prüfen zwei weitere Gürtelbezirke die (zumindest teilweise) Einführung des Parkpickerls. Das ist pikant, weil damit zwei schwarze Bezirke auf das neue Angebot der rot-grünen Koalition zurückgreifen wollen.
Einführung nur nach Befragung
In Währing (18. Bezirk) wird das Bezirksparlament den Antrag stellten, zu prüfen unter welchen Voraussetzungen ein Parkpickerl eingeführt werden kann, lässt VP-Bezirkschef Karl Homole der „Presse" ausrichten.
Der Fahrplan: Nach dem Antrag auf Prüfung werden die zuständigen Magistratsabteilungen eine Verkehrsuntersuchung durchführen. Dazu gehört, wie viele Nicht-Wiener die Parkplätze im Bezirk blockieren. Zur Untersuchung gehört ebenfalls die Frage, ob es überhaupt genügend Parkplätze für die Bezirksbewohner gibt - oder ob der Bau von neuen Stellplätzen (Stichwort: Garagen) dafür notwendig ist. Denn eine Pickerl-Einführung, nach der die Bürger trotzdem ohne Parkplatz dastehen, ist für Homole nicht akzeptabel.
Mit diesen Daten soll eine Diskussion im Bezirk gestartet werden; z. B. für welche Bereiche das Parkpickerl gelten soll, heißt es in Währing. Und: „Wenn ein Konzept vorliegt, müssen die Bürger darüber abstimmen." Eine Einführung ohne die Zustimmung der Bevölkerung kommt für den Währinger Bezirkschef nicht in Frage.
"Insellösungen" in Döbling
In Döbling überrascht Bezirkschef Adi Tiller mit der Ansage, dass er auch die Einführung von Parkpickerlzonen in seinem Bezirk überlegt: „Für den gesamten Bezirk Döbling ist das aber nicht sinnvoll", so Tiller. Er könnte sich vorstellen, auf so genannte „Insellösungen" zurückzugreifen. Beispielsweise bei der U4-Endstation Heiligenstadt, deren Umgebung von Pendlern regelrecht zugeparkt wird. Oder für das Gebiet um die Wirtschaftsuniversität bei der U4-Station Spittelau. Konkret hat Tiller hier das Gebiet rund um den Liechtenwerderplatz im Auge. Wie sein schwarzer Kollege in Währing erklärt auch Tiller: „Wenn so etwas eingeführt wird, dann nur nach einer Befragung der Bevölkerung."
Nun fordert die Hernalser Bezirkschefin Ilse Pfeffer ein gemeinsames Vorgehen der Westgürtel-Bezirke: Einen Verdrängungseffekt auszulösen, weil ein Bezirk im Alleingang das Parkpickerl einführt, sei unsolidarisch. In einem Punkt ist die SP-Bezirkschefin, die einen Antrag noch überlegt, derselben Meinung wie ihre VP-Kollegen: „Wenn das Parkpickerl eingeführt wird, muss es eine Bürgerbefragung dazu geben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2010)