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Lobbyismus

Putins bester Freund in Deutschland

„Ich habe immer den deutschen Interessen gedient“, sagt Gerhard Schröder.
„Ich habe immer den deutschen Interessen gedient“, sagt Gerhard Schröder.Getty Images
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Der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder wurde als Sinnbild der problematischen Beziehung zu Russlands Regime zum Ausgestoßenen. Aber spielt er deswegen keine Rolle mehr?

Wenn er an Gerhard Schröder denke, dann bekomme er Kopfschmerzen. Wie ein Stechen fühle sich das an. So beschreibt ein hochrangiger SPD-Funktionär der „Presse“ im Berliner Willy-Brandt-Haus, wie es ihm geht, wenn er den Namen des 78-Jährigen hört. Eines sei aber wichtig zu verstehen: Schröder habe in der Sozialdemokratie nichts zu sagen. Wie der Politpensionist zum russischen Präsidenten, Wladimir Putin, stehe, beschäftige die Öffentlichkeit – aber sicher nicht die SPD.

Das Gespräch fand vor mehr als acht Wochen statt – noch vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, vor den Bildern aus dem Kiewer Vorort Butscha, vor der Drohung mit Nuklearraketen. Mittlerweile treibt Gerhard Schröder nicht nur die deutsche Öffentlichkeit um: Am Montag forderte der Kiewer Bürgermeister, Vitali Klitschko, eigene Strafmaßnahmen gegen den deutschen Altkanzler. Seine Konten sollen eingefroren werden wie jene von russischen Oligarchen, denn Schröder sei „Teil des Putin-Systems“. So sahen das zuvor bereits britische Zeitungskolumnisten.

Der Altkanzler ist zum Sinnbild für alles geworden, was an der deutschen Russland-Politik falsch gewesen sein soll. Sein Schatten hat sich über das Willy-Brandt-Haus gelegt, in dem er einst als dritter sozialdemokratischer Kanzler der Nachkriegsgeschichte gefeiert wurde. Schröder gehörte nie zu den unumstrittenen Legenden der deutschen Sozialdemokratie. Seine harten Arbeitsmarktreformen spalteten die Partei viele Jahre lang. Nun wird er aber zum Mittelpunkt einer Erzählung, in der er und eine SPD-Clique das Land – wissentlich oder unwissentlich – dem Kreml zugetragen haben sollen.

Mea culpa ist nicht sein Ding