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Putin: "Wirtschaftsunion von Lissabon bis Wladiwostok"

Vladimir Putin, Leonardo Di caprio
Zollabkommen zwischen Russland und EU(c) AP (Alexei Druzhinin)
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Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin strebt eine engere Zusammenarbeit mit der Europäischen Union an. Globale Ungleichgewichte betrachtet er als das Kernproblem.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin will enger mit der Europäischen Union zusammenarbeiten. Er wünscht sich dafür eine europäisch-russische Freihandelszone. Ziel sei eine harmonische Wirtschaftsgemeinschaft zwischen Lissabon und Wladiwostok, schreibt Putin in einem Gastbeitrag in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Infrage komme auch eine noch weitergehende wirtschaftliche Integration. Notwendig sei zudem eine gemeinsame Industriepolitik.

Putin ist ab Donnerstag zu einem Besuch in Deutschland. Vorgesehen ist auch ein Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

"Globale Ungleichgewichte sind Kernproblem"

"Das Kernproblem besteht in der Kumulierung von globalen Ungleichgewichten", schreibt Putin. "Das Modell, wonach das eine regionale Zentrum zügellos Anleihen aufhäuft und Güter konsumiert, während das andere Billigware produziert und Schulden aufkauft, hat versagt."

"Sowohl Russland als auch die EU erwiesen sich wirtschaftlich als recht anfällig. Dies wurde uns mit aller Deutlichkeit durch die Krise vor Augen geführt", meint Putin weiter. So sei Russland weiterhin sehr abhängig von seinen Rohstoffen. Die EU wiederum habe mit den Folgen der Deindustrialisierung zu kämpfen.

"Industrialisierungswelle über Europa rollen lassen"

Im Vordergrund steht für ihn die Frage, "wie wir eine neue Industrialisierungswelle über den europäischen Kontinent rollen lassen können". Konkret spricht er von möglichen strategischen Allianzen in Bereichen des Schiff- und Flugzeugbaus, der Automobilproduktion, der Weltraumtechnologien, der Medizin- und Pharmaindustrie, der Kernenergie und Logistik.

Auch in der Energiepolitik strebt Putin eine "Entpolitisierung" an. Man habe Russland zu Unrecht unterstellt, seine Erdöl- und Erdgaslieferungen für die Lösung politischer Aufgaben eingesetzt zu haben. Das entspreche aber nicht der Realität.

EU gibt Blockade gegen WTO-Beitritt Russland auf

Indes ist Russland einem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO einen Schritt näher gekommen. Das Land einigte sich am Mittwoch mit der Europäischen Union auf die Abschaffung von Exportzöllen auf Rohstoffe wie Holz, wie beide Verhandlungsparteien in Brüssel bestätigten. Damit könnten etwa die Rohstoffkosten für die Papierindustrie in Europa sinken.

Mit dem Abkommen gibt die EU auch ihre Blockade eines WTO-Beitritts Russlands auf. Die Zölle sollen nach dem Beitritt in die Organisation auslaufen. Russland will im kommenden Jahr in der WTO aufgenommen werden.

(Ag.)