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Werk X

Kampf gegen die Macht, auch mit Laserschwert

Auch als Beleuchter aktiv: Schorsch Kamerun mit Marika Lichter.Alex Gotter
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In „Herrschaftszeiten“ singt Schorsch Kamerun etliche Lieder gegen „das System“. Begleitet wird er von allerlei kreativen Aktionen. Am eindrücklichsten sind die musikalischen Auftritte von Marika Lichter.

„Wir müssen denken lernen, Geschichte ändern“, singt Schorsch Kamerun, bekannt als Sänger der Goldenen Zitronen, auf der vielfältig bestückten Bühne im Werk X zu pochenden Rhythmen. Und, in einer Coverversion von „We're Not Gonna Take It“ der US-Band Twisted Sister: „Wir werden uns nicht ergeben. Wir werden die Macht bekämpfen.“ Also geht's im deklamatorischen Ton gegen alle Mächtigen, jede Obrigkeit und alle Grenzen, Mauern und Zäune, gegen Stammtischpolitiker, Kreuzfahrer, Chauvinisten & Co, kurz: gegen „das System“ . . .

Bei den Goldenen Zitronen trägt Kamerun seine Parolen gern in einem schrillen Ton und zu bösem Lärm vor, was ihre Naivität zu ironisieren scheint. Das macht einen Teil des Reizes dieser alten Diskurs-Punk-Band aus. In seinem Stück „Herrschaftszeiten (Noch mal?)“ funktioniert das nicht. Hier werden Kameruns gesungene Ausführungen nicht von harschem Punk begleitet, sondern von jungen Schauspielerinnen und Schauspielern illustriert, die auf der Bühne basteln, malen und formen, Steine streuen, meditieren und mit Plastiktieren spielen. Manche tragen manchmal Laserschwerte. Gegen Ende wird es neblig. Alle filmen einander ständig mit Videokameras, das Ergebnis sieht man auf drei Leinwänden, wahrscheinlich wegen Feedback oder so.

Wirkt ein bisschen wie ein Workshop zur Konfliktbewältigung. Als solchen stellt Kamerun sein Stück auch zu Beginn vor. Doch die Ironie, wenn's denn als solche gemeint ist, dringt nicht durch das schlichte Pathos von Sätzen wie „Grenzenloses Schwärmen, miteinander lernen“ oder „Diese Welt kann ein Wunder sein“. Warum alle im Publikum Kopfhörer tragen müssen, erschließt sich nicht, und das Stück wirkt deutlich länger als die 70 Minuten, die es laut Uhr und laut Ansage von Schorsch Kamerun dauert.

Am stärksten sind die Lieder, die Marika Lichter singt, darunter das jiddische Schlaflied „Rozhinkes mit Mandeln“ und die „Moorsoldaten“. Dieses Lied der Häftlinge des Konzentrationslagers Börgermoor – das zur Hymne des Widerstands gegen den Nationalsozialismus geworden ist – in diese eher läppische Revue einzubauen, scheint allerdings unangenehm anmaßend.

Termine: 21. und 22. Juni