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Ukraine-Krieg

Russischer Gazprombank-Topmanager zieht für die Ukraine in den Krieg

Igor Wolobujew war lange in Russland tätig, jetzt will er seinen ukrainischen Heimatort verteidigen
Igor Wolobujew war lange in Russland tätig, jetzt will er seinen ukrainischen Heimatort verteidigen(c) Screenshot Youtube
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Igor Wolobujew will sich "von russischer Vergangenheit reinwaschen“. Er ist in der Ukraine geboren.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Igor Wolobujew für die russische Gazprom tätig. Eine Karriere, die in der Position des Vize-Chefs der staatlichen Bank einen Höhepunkt fand. Zumindest bis zum 2. März. An diesem Tag habe er seine Sachen gepackt und sei in das Land seiner Geburt, die Ukraine, gereist – auf abenteuerlichen Wegen, wie er nun in einem Interview mit „The Insider“ und „Liga.net“ sagt. Denn Wolobujew, obwohl Ukrainer, hat einen russischen Pass, die Einreise sei nicht ganz legal gewesen.

Der Manger habe sich in der Kiewer Region den ukrainischen Soldaten angeschlossen, erzählt er weiter. Der Angriff Putins sei ein Rechtsbruch, und für die russischen Kriegsverbrechen sehe er letztlich auch sich selbst in der Verantwortung: „Ich schäme mich dafür“. Denn als Mitarbeiter der staatlichen Industrie sei auch er Teil des Apparates gewesen, der lange Druck auf die Ukraine ausgeübt hat. Während des russisch-ukrainischen Gasstreits habe man die Ukraine gezielt schwächen wollen, nachdem das ursprüngliche Ziel, das Land mittels Gaspolitik näher an Moskau zu binden, gescheitert war. „Ich war Teil dieses Gasstreits“, so Wolobujew, der sich nun geläutert zeigt.

„Buße tun“

Mit der Teilnahme am Krieg wolle der ehemalige Manager nun Buße tun. „Ich weiß nicht, ob ich alles von mir abwaschen kann (...) Wird mich meine Heimat akzeptieren? Ich weiß es nicht.“ Als er Moskau verließ, habe er seine Absichten freilich nicht bekannt gegeben. Später, als Gazprom von seinem Verbleib erfuhr, habe man ihn als Spion identifiziert, der den Ukrainern Insider-Informationen übermittle.

Doch habe er es nicht ertragen können, dass Russland seinen Vater und seine Verwandten in höchste Lebensgefahr bringe. Sein Vater habe einen Monat lang in einem kalten Keller verbringen müssen, mittlerweile sei er in Sicherheit. Wo genau er nun kämpft, gab Wolobujew nicht bekannt.

Wolobujew erzählt im Interview: "Ich bin gekommen, um für die Ukraine zu kämpfen! Am ersten Tag des Krieges klingelte mein Telefon unaufhörlich. Ich bin in Akhtyrka geboren und habe dort die Schule abgeschlossen. Mein Vater, mein jüngerer Bruder und Freunde leben dort. In nur wenigen Tagen beschloss ich, dass ich nicht mehr in Russland leben konnte. Weil die Russen meinen Vater, meine Bekannten und engen Freunde getötet haben. Mein Vater lebte einen Monat lang in einem kalten Keller. Menschen, die ich aus meiner Kindheit kenne, haben mir gesagt, dass sie sich für mich schämen. (...) Ich habe meine Sachen gepackt und Russland am 2. März verlassen. Ich hatte mehr als sechs Jahre lang für die Gazprombank gearbeitet und war für die Öffentlichkeitsarbeit für Industrieanlagen zuständig. Davor habe ich 16 Jahre lang bei Gazprom gearbeitet, davon neun Jahre als Leiter des Pressedienstes. Ich konnte nicht länger mit diesen Leuten zusammen sein. Ich schüttelte ihnen die Hand, lächelte und beobachtete diesen Krieg am Telefon wie einen Horrorfilm, während ich so tat, als ginge mich das alles nichts an. Ich bin in die Ukraine gekommen, um mein Akhtyrka mit einer Waffe in der Hand zu verteidigen. Damals, 2014, als sie die Krim besetzten, habe ich mir geschworen: Wenn russische Panzer in mein Akhtyrka kommen, werde ich gegen sie in den Krieg ziehen.

(duö/red.)