Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Gericht

Mit dem Messer gegen die „Matrix“: Prozess um Anstaltseinweisung

Ein Mann, der acht Jahre in der geschlossenen Psychiatrie verbrachte, wurde rückfällig und stach auf Passanten ein. Das Gericht beschloss seine erneute Einweisung.

Seit Jahren soll er reformiert werden, doch es will nicht viel weitergehen – die Rede ist vom sogenannten Maßnahmenvollzug, also von der Anhaltung gefährlicher Täter in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung. Im Wiener Landesgericht für Strafsachen wurde am Mittwoch ein Fall verhandelt, der das System der Anstalts-Einweisungen beleuchtet und Einblicke in die Welt eines Mannes bietet, der acht Jahre psychiatriert wurde, dann in Freiheit kam und dann laut Staatsanwaltschaft versuchte, fünf Menschen auf offener Straße zu erstechen. Das Urteil: Er wird erneut eingewiesen.

Der „Betroffene“ – beantragt die Staatsanwaltschaft ausschließlich eine Anstalts-Einweisung, ist der Begriff „Angeklagter“ verfehlt – gab nun dem Gericht bereitwillig Auskunft. R. (36) zeigte sich dabei als sehr weitschweifiger Redner und fiel überdies durch ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis auf.

Ja, er habe voriges Jahr am Nationalfeiertag in Wien auf offener Straße auf Passanten eingestochen. Aber nur, weil er sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt habe. Und er habe dabei nicht töten wollen, sondern nur verletzen, fügte seine Anwältin Sonja Scheed an. Zum Grund für seine Angriffe befragt erklärte der an paranoider Schizophrenie leidende (nicht schuldfähige) Wiener, er habe angenommen, er sei in „die virtuelle Computerwelt“ hineingeraten. Er nehme an, dass die Menschen virtuelle Doppelgänger hätten, weil man gleich nach der Geburt „gescannt“ werde („schon als Baby“).