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Interview

"Wir haben in Österreich eine latent unternehmerfeindliche Grundhaltung"

Werner Hoffmann ortet in Österreich eine "latent unternehmerfeindliche Grundstimmung".Die Presse/Clemens Fabry
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WU-Professor Werner Hoffmann spricht über wachsenden Pessimismus und naive Verzicht-Apologeten. Er meint, dass sich Unternehmer bald für Gewinne entschuldigen müssen.

Die Presse: Sie leiten das Institut für strategisches Management an der WU Wien. Zynisch formuliert müssten das ja geradezu ideale Zeiten für Sie sein.

Werner Hoffmann: Aus meiner Perspektive betrachtet sind das gerade lohnende und spannende Zeiten für Leute, die sich mit strategischem Management beschäftigen. Das Mega-Thema lautet: Wie geht man mit großer strategischer Unsicherheit um? Es gibt ja nun schon zum wiederholten Mal überraschende externe Schocks, die man in dieser Form auch nicht antizipieren konnte.

Schon gar nicht einen derartigen Krieg mitten in Europa.

Damit haben nicht viele gerechnet. Wir sind also mit tiefgreifenden Veränderungen im unternehmerischen Umfeld konfrontiert, die über Nacht passiert sind.

In der öffentlichen Debatte geht es dabei mehr um die Frage, wie die Politik auf diesen Krieg reagieren soll. Was heißt das aber für Unternehmer?

Unternehmen, die in der Vergangenheit strategische Vorsorge getroffen haben, haben vor allem die Covid-Krise relativ gut überstanden und sind auch rasch wieder durchgestartet. Bei Resilienz geht es ja vorerst darum, den Schock auszuhalten. Unternehmen brauchen also genügend Cash, müssen gut aufgestellt sein, um partielle Ausfälle zu verkraften. Und dann geht es um die Regenerationsfähigkeit nach der Krise. Und ich finde, dass sich viele österreichische Unternehmen als sehr leistungsfähig erwiesen haben.

Aber auch aufgrund der massiven staatlichen Hilfen.

Natürlich. Aber es war legitim, dass der Staat unterstützt. Wir wären sonst in eine gesellschaftliche Krise dramatischen Ausmaßes gestürzt. Natürlich ist da und dort auch überfördert worden. Aber auch da muss man fair bleiben und sagen: Das war wohl unvermeidlich. Schließlich musste die Politik rasch reagieren, sie hatte ja nicht jahrelang Zeit, Förderprogramme aufzubauen.

Als schwierig erweist sich nun auch, diese Förderungen wieder zurückzufahren. Die Covid-Hilfen werden nun von Energiekosten-Hilfen abgelöst.