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EU/UK

Brexit löst in Nordirland ein spätes Beben aus

BRITAIN-NIRELAND-EASTER RISING-ANNIVERSARY
Irische Republikaner in Belfast bei einem Gedenken an den Osteraufstand 1916, mit dem die Loslösung von London begann.APA/AFP/PAUL FAITH
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Erstmals dürften die Katholiken in Nordirland die Mehrheit erhalten. Das wird zu einem Patt und neuen Konflikten zwischen London und Brüssel führen.

Dass nationale Volksentscheidungen in Übersee zugleich auch europäische Weichenstellungen bedeuten können, wissen die leidgeprüften Europäer nicht erst seit dem Triumph von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl 2016. Dass nicht nur die Washingtoner Champions League, sondern auch die britische Regionalliga West das Potenzial dazu hat, die Europa-Politik durcheinanderzubringen, wird sich am kommenden Donnerstag zeigen, wenn die Wähler in den Gemeinden des Vereinigten Königreichs zu den Wahlurnen gerufen werden.

Die Regionalwahlen am 5. Mai sind gleich aus zwei Gründen brisant: erstens, weil ein generell schlechtes Abschneiden der seit 2010 regierenden Tories das politische Ende von Premierminister Boris Johnson einläuten könnte. Und zweitens, weil sich in der Provinz Nordirland ein historisches Ergebnis anbahnt, das die seit dem Brexit ohnehin fragilen europäisch-britischen Beziehungen auf eine neue Belastungsprobe stellen dürfte.

Bei der Wahl zur nordirischen Volksvertretung erwarten so gut wie alle Beobachter, dass die republikanische Sinn-Féin-Partei zum ersten Mal in der hundertjährigen Geschichte der Provinz die Mehrheit erringen dürfte, während der probritischen Democratic Unionist Party (DUP) eine krachende Niederlage ins Haus steht. Bewahrheiten sich die Prognosen, dann muss sich Nordirland auf politische Paralyse einstellen, denn die Unionisten haben bereits angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Republikanern zu verweigern, falls sie selbst nicht auf Platz eins landen – eine Zusammenarbeit, die in den nordirischen Statuten eigentlich vorgeschrieben ist, um den konfessionellen Frieden zwischen Protestanten und Katholiken in dem erst durch das Karfreitagsabkommen von 1998 befriedeten einstigen Bürgerkriegsgebiet zu wahren.